Memmingen krönt sich zum siebten mal: berliner traum zerstört in 2:11 minuten

2679 Menschen schrien sich in der Memminger Hühnerberg-Halle die Seele aus dem Leib, und als das Schlusssirene ertönte, war klar: Der ECDC hat die Eisbären Berlin im dritten Finalspiel mit 4:2 weggespült und sich zum siebten Mal in Folier die Deutsche Meisterschaft gesichert. Die Nationalmannschaftskapitänin Daria Gleißner hob den Pokel so hoch, dass er fast die Hallendecke streifte – ein Symbolbild für die Dominanz, die in der Deutschen Frauen Eishockey Liga (DFEL) seit Jahren kein Gegenkonzept findet.

Die serie war nach 120 minuten gelaufen

Die Zahlen sind gnadenlos: drei Spiele, drei Siege, 13:3 Tore. Das Team mit acht Olympia-Fahrerinnen hatte die Eisbären schon in Berlin mit 3:0 und 6:1 vorgeführt, bevor es am Samstag im eigenen Brennofen nur noch 60 Minuten brauchte, um den Sack zuzumachen. Theresa Knutson traf doppelt (36. und 54.), Nara Elia legte den Führungstreffer hin (9.) und Jule Schiefer nagelte den Deckel drauf (40.). Berlin wehrte sich wie ein Boxer auf der Ringseile, aber Memmingens Powerplay lief wie ein Uhrwerk, das jede Sekundenabstimmung kennt.

Die 122 Zuschauer, die zum DFEL-Rekord fehlten, spielten keine Rolle mehr – die Stimmung war längst kochend. Der Olympia-Boom nach Mailand/Cortina schlägt hier voll durch: Über vier Millionen sahen das Nationalteam gegen Frankreich, und jetzt drängt der Club die Fans in die Halle, als gäbe es kein Morgen. Die ESG Planegg, die mit acht Titeln die ewige Bestmarke hält, kann sich warm anziehen: Memmingen fehlt nur noch ein Triumph, um die Rekordmarke zu pulverisieren.

Die liga schrumpft, memmingen wächst

Die liga schrumpft, memmingen wächst

Während die DFEL nur noch vier deutsche Teams und HK Budapest zählt, baut Memmingen seine Hockey-Maschine weiter aus. Die nächste Saison startet im September, doch schon jetzt zeigt sich: Wer gegen diese Bande von Nationalspielerinnen gewinnen will, braucht nicht nur schnelle Schlittschuhe, sondern ein Wunder. Gleißner sprach es nach dem Schlusspfiff aus: „Wir sind einfach eine starke Mannschaft – und wir sind noch lange nicht fertig.“

Die Meisterfeier wird bis in die frühen Morgenstunden dauern. Dann wird wieder trainiert, wieder gebolzt, wieder gewonnen. Für Berlin bleibt die Erkenntnis, dass selbst eine Uber-Arena keine Trophäe ersetzt, wenn das Eis in Memmingen zu Asphalt wird. Der Pokal bleibt in Oberbayern – und mit ihm die Machtfrage im deutschen Fraueneishockey.