Melanie hasler wirft hin – europas bob-queen verabschiedet sich mit 27
Sie stand auf dem höchsten Stufchen, zweimal innerhalb von 48 Stunden – und jetzt das: Melanie Hasler beendet mit 27 Jahren ihre Bob-Karriere. Die Schweizer Europameisterin von 2023 sagt dem Sport, der sie seit der Jugend geprägt hat, überraschend Lebewohl.
Der rücktritt kam per pro-und-kontra-liste
Hasler selbst nennt den Schritt „bitter“. Im Gespräch mit dem Wohler Anzeiger gesteht sie: „Ich liebe den Bobsport. Aber es sind zu viele Dinge, die es schwierig machen.“ Was genau hinter „zu vielen Dingen“ steckt, lässt sie offen – interne Machtkämpfe, Sparmaßnahmen, mangelnde Perspektiven? Der Verband schweigt, das Athleten-Umfeld raunt von „strukturellen Problemen, die selbst EM-Gold nicht wegpolieren“.
Die Verkündung trägt trotzdem ihre Handschrift: rational, tabellarisch, wie ein Rennplan. Pro- und Konter-Liste, die zweite länger, fertig. „Eine Seite hat klar überwogen“, sagt sie – und meint damit offenbar nicht die Seite mit den Medaillen.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: zwei Goldsiegen bei der Europameisterschaft in St. Moritz, drei Weltcup-Podestplätze, ein Jahresgehalt, das selbst in der Spitze nicht über 35 000 Euro liegt. Dazu Materialkosten, Reisen, ein Leben zwischen Eiswürfeln und 4-Uhr-Weckern. Für Hasler reichte die Rechnung nicht mehr.

Tor nach vorne bleibt angelehnt
Dennoch: vollkommen abschließen will sie nicht. „Ich beobachte die Entwicklung“, sagt sie. „Falls sich etwas tut, weiß ich, wo die Eiswagen stehen.“ Klingt nach einem Sabbat, nicht nach einem endgültigen Schnitt. Die nächsten beiden Saisons sind ohnehin gestrichen – Zeit, um die Kufen trocken hängen zu lassen und vielleicht auch, um dem Verband einen Spiegel vorzuhalten.
Bob-Sportler kennen zwei Konstanten: Tempo und Bruch. Hasler hat beides erlebt – nur dass der Bruch diesmal nicht knallt, sondern leise wehtut. Für die Fans bleibt der Geschmack von Silber und Gold auf der Zunge, für die Sportart ein weiterer Verlust in der Generation, die eigentlich mal die Zukunft war.
