Mctominay wird zur lebenden reliquie: maradona jr. ruft ihn jesus aus
Napoli ist wieder dabei – und ein Schotte führt die Messe an. Scott McTominay, 29, Ex-Manchester-United-Abräumer, traf zum 1:0 gegen Cagliari, schoss den Klub auf Platz drei und lässt Sohn Diego Armando Maradona jr. biblische Töne anschlagen: „Nach Papa ist Scotty der entscheidendste Spieler in unserer Geschichte. Maradona war Gott, McTominay ist Jesus.“
Vier siege, ein messias und eine goldkugel
Conte-Truppe, viermal Liga-Sieg in Serie, nur zwei Punkte hinter Lazio – das ist die trockene Statistik. Die emotionale Wahrheit steht im Trikot mit der Nummer 26. Elf Tore, vier Vorlagen, Ballone-d'Or-Liste: McTominay verwandelt sich von defensiver Klammer in Spitzengastronom der Gegner. Il Mattino rechnet vor: Jede 127 Minuten netzt er einmal ein, kein Mittelfeldspieler in Europa trifft häufiger.
Hinter der Zahlenwand lauert ein kleiner Kulturclash. Napolis Küche gilt als reinste Kalorienfalle: Pizza Margherita, Mozzarella di Bufala, Sfogliatella – ein Olymp an Laktose und Semmelbröseln. McTominay, 22 Jahre lang auf Old-Trafford-Diät, musste sich täglich eine Notiz mit dem erlaubten Cheat-Day mit nach Hause nehmen. Erfolg hat offenbar einen Preis: keine Pasta, kein Gelato, dafür Scudetto-Traum.

30 Millionen für einen jungen, der strafraum kocht
Sportdirektor Mauro Meluso zahlte im Sommer 30 Mio. Euro Ablöse – damals noch gezischt als Overpay. Heute wirkt die Summe wie ein Schnäppchen. McTominay gewinnt 65 % seiner Zweikämpfe, verliert im eigenen Drittel nur elf Pässe pro Spiel und schaltet sich vorne wie ein zusätzlicher Stürmer ein. Conte nennt ihn „meinen Duncan Ferguson mit Ballbesitz“.
Die Fans haben bereits ein Lied gelernt: „Oh Scotty, bring uns den Himmel, wie einst Diego aus dem Jenseits.“ Und während die Curva A schmettert, sitzt Maradona jr. vor dem Fernseher, schreibt auf Instagram: „Papa würde ihm die Kapitänsbinde geben.“
Nächster Härtetest: Juventus. Gewinnt Napoli, rückt die Mannschaft auf einen Punkt heran. McTominay wird wieder in der Box lauern, wieder einen Drops nach dem anderen klopfen – und weiterhin auf Mozzarella verzichten. Die Stadt hat ihren neuen Heiligen gefunden, die Liga ihre vielleicht ungewöhnlichste Transferglanznummer. Wenn das kein Fußball-Wunder ist, weiß ich es auch nicht.
