Max wuller, 12, jagt schumis spur: nrw-meister lebt im umgebauten gemüselaster

Ein Kühlschrank neben der Werkstatt, ein Bett über dem Diffusor – und draußen der Asphalt, der nach mehr schreit als nur nach Siegen. Max Wuller aus Hagen ist zwölf und schon jetzt NRW-Kart-Meister. Sein Ziel klingt verrückt, ist aber logisch: Formel 1, ganz oben, ganz schnell.

Der familienbetrieb rennstall

Was wie ein Kindertraum beginnt, wird schnell zur 150.000-Euro-Rechnung. Papa Markus riss einen alten Gemüselaster auseinander, baute einen Fernseher ein, eine Werkbank, ein zweites Bett für die Schwester. „Wir verzichten auf fast alles andere“, sagt er, während er zwischen Kart-Chassis und Ölkanister hin und her springt. Mama organisiert die Lizenz, Schwester Lena die Boxenstopps. Kein Sponsor, kein Manager – nur vier Wullers gegen die Uhr.

Die erste richtige Pokal-Saison lief 2025. Max fuhr mit Hausrat-Helm und Selbstvertrauen gegen Teams, die mit Ingenieuren und Windkanälen planen. Er gewann. Nicht einmal. Dreimal. Die Konkurrenz guckte erst, dann starrte sie. „Die Jungs haben teurere Motoren, aber ich habe eine bessere Linie“, sagt Max und klingt dabei schon wie ein Pilot, der weiß, dass die Rennstrecke seine Sprache spricht.

Von der nrw-bahn nach leclerc

Von der nrw-bahn nach leclerc

Sein Idol heißt nicht Schumacher, sondern Charles Leclerc. „Der kam auch aus dem Kart und schaffte den Sprung“, erklärt Max, während er mit schwarzen Fingernägeln ein Zündkerzen-Werkzeug poliert. Seit Januar hat er endlich ein richtiges Team im Rücken: einen Mechaniker, der die Zahlen liest, und einen Chef, der sagt, wann es Zeit wird, eine Klasse höher zu gehen. Die Rechnung für ein Wochenende: 3.000 Euro. Die Familie stemmt sie, weil sie glaubt, dass der Junge mit der leisen Stimme irgendwann lauter wird als alle Motoren zusammen.

Die nächste Stufe heißt KF2, dann DTM-Junioren, dann Form 4. Jede Etappe kostet ein Auto, jedes Auto kostet Nerven. „Wenn wir es nicht machen, fragen wir uns bis ans Lebensende, was hätte sein können“, sagt Markus Wuller und lacht, aber die Augen bleiben hart. Dahinter steckt die Angst, dass Talent allein nicht reicht, sondern nur das Konto.

Am Freitagabend rollt der Laster wieder Richtung Wetzlar, wo am Wochenende die Deutsche Kart-Meisterschaft ihre Punkte verschenkt. Max schläft oben, die Mutter navigiert, der Vater checkt Reifendruck. 120.000 Kilometer hat der alte Gemüselaster bereits geschafft – und vorne auf dem Armaturenbrett klebt ein Aufkleber: „Stop dreaming, start driving.“

Die Nacht wird kurz, die Strecke lang. Aber wer einmal spürt, wie 14.000 U/min das Herz gegen den Ribcage schlagen lassen, der weiß: Zurück gibt es keinen Gang mehr.