Matthäus-doku entzaubert den mythos loddar – skandale, triumphe, nackte wahrheit

Ein Herzogenauracher Bub, der mit Pullovern als Torpfosten Weltmeister wurde – und später selbst zum Spielfeld wurde, auf dem Boulevard, Macht und Eitelkeit kickten. Die BR-Doku „Mensch, Loddar!“ zieht 65 Jahre Lothar Matthäus in 90 Minuten durch den Kakao – und liefert dem Zuschauer ein Erkenntnis-Elfmeter, der sitzt.

Jupp heynckes’ sonntagsschock: „ich war der einzige scout – ein glück“

Frühjahr 1979, Sportplatz irgendwo in der Provinz. Heynckes kam eigentlich nur vorbei, ging mit leerem Notizblock wieder – und mit dem größten Transfer seiner Karriere. „Ich habe mich verstohlen umgedreht und gedacht: Wieso guckt hier keiner außer mir?“ Der 18-Jährige versenkte zwei Bälle, aber vor allem: er versenkte Zweifel. Fünf Jahre später hieß der Zweifel Interims-WM-Titel 1990, er selbst hieß Weltfußballer. Der Deal war ein Steal, der Rest ist Bundesliga-Geschichte – nur eben mit Kratzern.

Franke, weltmeister, schlitzohr: söder lacht, bayern zahlt

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Markus Söder schwärmt wie ein Fanboy, weil Matthäus sogar auf Fränkisch motzt. Bayern zahlt Millionen, bekommt dafür Tore, Titel, Trikotverkäufe – und einen Spieler, der schon damals wusste, dass Bild-Zeitung und bravouös ein und dieselbe Medaille sind. „Er war der erste deutsche Fußballer, der die Yellow Press mit Klickködern fütterte“, sagt Ex-Bild-Reporter Wolfgang Ruiner. Clinch mit Klinsmann, Rauswurf aus der Nationalelf, Bestseller-Buch: Matthäus lieferte Storys, die Redaktionen träumen.

Skandale als nebenprodukt: „ich musste kämpfen, ich war immer der kleinste“

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Der Satz kommt nicht von irgendwem, sondern aus dem eigenen Mund. 2006, ARD-Interview. Matthäus redet über sich, als wäre er ein Gegner, den es zu studieren gilt. Die Doku macht daraus ein Mosaik: Familienbande, Medien-Moppeds, Marotten. Ergebnis: Kein Heiligenporträt, sondern ein Panorama aus Siegen und Schrammen, 150 Länderspiele, 0 Filter.

Wo kann man das sehen? sofort, kostenlos, aber nicht ewig

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ARD-Mediathek, ab sofort, sieben Minuten kürzer als ein Fußballspiel – und mit einem Verfallsdatum: 24. März 2027. Danach verschwindet der Stream, nicht aber das Bild vom ehrgeizigen Jungen, der aus Herzogenaurach kam und die Welt bediente wie einen Freistoß: mit Effet, Ego und einem kleinen Schlenker in die Schlagzeile.