Matosevic gesteht: „ich habe mir selbst blut abgezapft – und wurde trotzdem zertreten“

Vier Jahre Sperre, fünf Dopingdelikte, ein einziger verzweifelter Brief: Marinko Matosevic schreibt sich jetzt selbst aus dem Tennis. Doch selbst nach dem Geständnis fühlt sich der Ex-Profi von der ITIA unfair behandelt – und seine Karriere droht endgültig zu implodieren.

Blut abnehmen, karriere beenden – und trotzdem bestraft

Die Meldung kam am Montag wie ein Satz, der ins Netz donnert: Die Internationale Tennis-Integritätsagentur (ITIA) verhängt eine Viersperre gegen den Australier, der einst bis auf Weltranglistenplatz 39 stürmte. Eigenblutdoping, Beihilfe beim Doping eines Kollegen, Besitz verbotener Substanzen – alles zwischen 2018 und 2020, alles längst bekannt. Matosevic hatte schon vor Wochen gestanden, sich in Mexiko eine illegale Transfusion verpasst zu haben. Trotzdem fällt das Urteil so hart wie ein Grand-Slam-K.o.

Die Summe seiner Sünden liest sich wie ein Lehrbuch der Selbstzerstörung: 2018 kurz vor Karriereende, 39 Jahre alt, verletzt, frustriert – und plötzlich bereit, die rote Linie zu überschreiten. „Ich habe es bereut, sofort“, schrieb er an australische Medien. Doch Reue zählt nicht im Regelwerk der ITIA. Die Agentur knüpft lieber an WhatsApp-Chats und Fotos, die älter sind als manche Covid-19-Impfung.

Von melbourne nach mexiko – und in die bedeutungslosigkeit

Von melbourne nach mexiko – und in die bedeutungslosigkeit

Matosevic’ Geschichte beginnt in Sarajevo, endet in einem Büro in London. 1998 landet der Junge mit seinen Eltern in Melbourne, schlägt sich auf der staubigen Tennisakademie von Kooyong die Seele aus dem Leib. 2013 steht er in Indian Wells im Schlagschatten von Federer und Djokovic, 2012 verliert er in Delray Beach das Finale gegen Kevin Anderson – zwölf Siege in Serie, aber kein Titel. Die Statistik nagt an ihm: 2,1 Millionen Dollar Preisgeld, null ATP-Trophäen, zweite Grand-Slam-Runde als imaginäre Mauer.

Dann der Absturz. Verletzungen, Altersziffer, Ranglistenfall. 2018 fliegt er nach Cancún, lässt sich Blut abnehmen, injiziert es später wieder – ein Mini-Zyklus, der seine Werte kurz nach oben schiebt, aber die Moral auf null setzt. „Ich habe meine Karriere sofort beendet“, betont er. Doch die ITIA stopft das Geständnis in ein Aktenordner und lässt die Uhr trotzdem weiterlaufen.

Trainerverbot trifft australische talente

Nun der Dominoeffekt: Matosevic darf vier Jahre lang kein Turnier der Tennis-Tour betreten, weder als Spieler noch als Coach. Für australische Talente wie Alex de Minaur oder Jordan Thompson ein kleiner Schock – der Coach, der sie auf dem Practice-Court durchschwitzen ließ, ist vom Platz verwiesen. Die ITIA schreibt das Verbot wörtlich: „Kein Zutritt zu Events, die unter unsere Zuständigkeit fallen.“ Matosevic reagiert mit Wut: „Sie bauen Rechtsfälle aus fünf Jahre alten Textnachrichten.“

Die Kluft zwischen Regel und Realität klafft weiter. Matosevic will warnen, will aufräumen, will ein Exempel sein. Stattdessen wird er selbst zum Exempel – für ein System, das Geständnisse nicht mit Milde, sondern mit maximaler Härte beantwortet. Die Karriere des Mannes, der nie einen Titel gewann, endet mit einem Titel, den er nie wollte: der des gedopten Warners. Die Sperre läuft bis 2028. Danach ist Matosevic 44 – und die Tenniswelt längst ohne ihn weitergespielt.