Matarazzo zerreißt seine real nach 3:3: „wir haben das spiel verschenkt“

Pellegrino Matarazzo trat nach dem 3:3 gegen Deportivo Alavés vor die Mikrofone, als hätte seine Real Sociedad gerade eine Niederlage kassiert. Kein Wunder: Die Mannschaft verschenkte eine 2:0-Führung, kassierte drei Gegentore durch individuelle Blackouts und musste in der Nachspielzeit sogar um den Punkt bangen. „Wir haben nicht verdient zu gewinnen – und das liegt an uns“, donnerte der Coach aus New Jersey.

Zwei eigentore, ein systemkollaps

Die erste Halbzeit war noch ein Fest: Take Kubo und Mikel Oyarzabal trafen, Anoeta feierte. Doch nach dem Seitenwechsel rissen die Linien auseinander, die Abstimmung zwischen Torhüter Álex Remiro und den Innenverteidigern erinnerte an ein Funkloch. Minute 52: Jon Pacheco lenkt eine Flanke unhaltbar ins eigene Netz. Minute 58: Robin Le Normand verpasst eine klärende Grätsche, Remiro bleibt wie angewurzelt stehen – 2:2. „Die beiden Tore sind nicht erklärbar“, stotterte Matarazzo. „Das sind individuelle Fehler, die wir in dieser Form noch nie hatten.“

Die Katastrophe wurde komplett, als Sergio Gómez nach VAR-Bildern mit Rot vom Platz musste. Die Szene war gradlinig: Spät, mit Studs voran, trotzdem diskutierte Matarazzo mit Schiedsrichter Munuera Montero bis ins Sechzehner-Becken. „Wenn man jede Aktion im Zeitlupenmodus analysiert, sieht die Welt anders aus. Dann gäbe es jede Woche fünf Rote“, schimpfte der Trainer – und verkniff sich weitere Worte, weil sonst die nächste Gelbe für Meckern drohte.

Angriff? nur standards, sonst nichts

Angriff? nur standards, sonst nichts

Die Statistik liest sich für einen Offensivfetischisten wie Matarazzo wie ein Horror-Script: 56 Prozent Ballbesitz, aber nur 0,8 erwartete Tore aus dem Feld. „Wir haben zu viele Bälle verschenkt, zu wenig Tempo reingebracht“, monierte er. Selbst die zwei Treffer nach Ecke und Freistoß wollte er nicht als Lichtblick werten: „Standards sind kein Zufall, aber wir können nicht jede Woche darauf hoffen, dass Oyarzabal die Kugel perfekt platziert.“

Der US-Amerikaner ließ kein Thema aus: Die Räume zwischen den Ketten, die mangelnde Kommunikation, die fehlende Cleverness beim Umschalten. „Wenn wir in drei Wochen in der Europa-League-Play-off-Runde stehen, können wir uns so eine Vorstellung nicht leisten. Die Gegner schlafen nicht, die schießen uns mit solchen Geschenken aus dem Stadion.“

Bis samstag ist alles vergessen – oder verdammt

Bis samstag ist alles vergessen – oder verdammt

In wenigen Tagen steht das Finale der Copa del Rey auf dem Programm, erstmals seit 2020 wieder mit baskischer Beteiligung. „Die Energie wird anders sein, die Mentalität auch“, versprach Matarazzo. Doch die Frage bleibt: Wie kurieren Sie binnen fünf Tagen eine Defensive, die sich selbst zerlegt? „Wir werden das Video schneiden, die Jungs vor den Spiegel stellen und dann den Stecker ziehen. Samstag zählt nur das Ergebnis, nicht die Schönheit.“

Die Spieler verließen unter dem Applaus eines noch immer euphorischen Anoeta, doch im Mixed-Zone war die Stimmung auf Sparflamme. Le Normand murmelte etwas von „Konzentrationsfehlern“, Mikel Merino redete von „kollektivem Blackout“. Matarazzo selbst schnappte sich seine Unterlagen und stapfte Richtung Kabine. Kein Blick zurück – als wollte er die Geister der zweiten Halbzeit dort lassen, wo sie entstanden sind: auf dem Rasen.

Die Real Sociedad hat 90 Minuten gezeigt, wie schnell ein sicher geglaubter Sieg zur Identitätskrise wird. Wenn sie am Samstag gegen Athletic Bilbao nicht die Schalter umlegt, wird aus der Copa-Traum-Story eine Saison-Tragödie. Die Uhr tickt. Der Countdown läuft.