Matanovic trifft doppelt gegen st. pauli – und trauert seinem tor hinterher

Am Millerntor küsst man seine Ex nicht – und schon gar nicht zweimal. Igor Matanovic tat es trotzdem. Der 22-jährige Stürmer des SC Freiburg schoss seinem Jugendclub mit zwei Treffern das Herz aus der Brust, half den Breisgauern zu einem 2:1-Auswärtssieg und musste danach erklären, warum er dabei so still wirkte.

„Ich habe 13 Jahre hier gespielt, meine erste Beinarbeit, meine ersten Tore, meine erste Liebe“, sagte er mit einem Blick Richtung Gegengerade, wo die Kiez-Fans noch zehn Minuten nach Abpfiff skandierten. Dann zuckte er mit den Schultern: „Aber ich bin Profi. Und Profis machen ihren Job.“

Ein dosenöffner mit oberschenkel-glück

Der erste Treffer war reiner Zufall. Vincenzo Grifo zog aus 16 Metern ab, der Ball sprang an zwei Knöcheln vorbei, prallte gegen Matanovics Oberschenkel und senkte sich unhaltbar für Nikola Vasilj ins kurze Eck. „So beginnt man ein Spiel gegen alte Freunde“, murmelte ein Kommentator im Presseraum. „Mit Glück und einem Funken Scham.“

Das zweite Tor war dagegen kalte Klasse. Cyriaque Irié zog aus spitzem Winkel ab, Vasilj klatschte den Ball nach vorn – und Matanovic stand exakt da, wo ein echter Knipser stehen muss. Seitwärts, mit der Innenseite, 2:1. Kein Jubel, nur ein kurzer Handshake mit Grifo. Die Arme sanken, als hätte er eingesehen, dass man Heimat nicht zweimal verlassen kann.

Freiburg tanken selbstvertrauen für bayern und celta

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Die Zahlen dahinter: 37 Punkte, Platz acht, nur einen Zähler hinter Eintracht Frankfurt. Der SC kann im April auf Europapokal-Zugriff hoffen – und das nach einer Woche, in der sie Genk 5:1 demontierten und erstmals das Viertelfinale der Europa League erreichten. „Wir haben Schwung“, sagte Trainer Julian Schuster, „und jetzt Pause, um ihn nicht zu verlieren.“

Für Matanovic bleibt die Rechnung einfach: zwei Treffer, drei Punkte, ein Seufzer. „Wenn wir am Ende der Saison oben stehen, darf ich vielleicht wieder lächeln.“ Bis dahin pfeift er sich die Nostalgie ab – und trifft weiter, egal, wer im Tor steht.