Márquez entlarvt ducati-probleme: „wir stecken uns selbst an“

Platz fünf in Austin – für Marc Márquez ein Ergebnis, das wie eine Niederlage schmeckt. Der Spanier sprach nach dem US-Grand-Prix offen über ein Mantra aus Selbstblockaden, fehlender Fitness und einer Aprilia, die „eineinhalb Schritte“ voraus ist. Sein Fazit: Ducati ist schneller geworden, aber noch lange nicht schnell genug.

Der startfehler, der alles versaut

„Wir haben uns selbst in die Nesseln gesetzt“, sagte Márquez im Interview mit DAZN. Gemeint ist der Sturz im FP1, der seine gesamte Rennwoche durchzog. „Ohne den Crash ändert sich vielleicht die Rundenzeit, nicht aber die Tatsache, dass ich in den ersten drei Runden noch nicht auf dem Gas bin.“ Die Zahlen sprechen für sich: Nach Sektor 1 lag er 0,4 Sekunden zurück, nach Sektor 2 bereits 0,7 – ein Defizit, das sich auf dem Circuit of the Americas nicht mehr kitten lässt. „Neue Reifen bedeuten volle Kraft, und da fehlt mir aktuell einfach die Power“, gestand der Sechsmal-Weltmeister.

Doch es ist nicht nur Muskelkater. Auch die 2024er Ducati-Generation verlangt ihm neue Fahrstil-Kompromisse ab. „Das Bike dreht aggressiver ein, aber der Eintritt in Kurve 1 bleibt ein blindes Vertrauensspiel. Ich bin fast wieder in der Gravel-Trap gelandet – dieselbe Linie wie gestern, nur ein paar Meter früher aufgefangen.“

Aprilia setzt den zeitplan unter druck

Aprilia setzt den zeitplan unter druck

Der Blick auf die Zeittabellen zeigt: Ducati gewann auf den Geraden, verlor aber in den engen S-Schiken. „Wir sind auf fast jeder Strecke eine Zehntel schneller als 2023, aber Aprilia hat eineinhalb Zehntel gefunden. Das ist der Unterschied zwischen Podest und Mittelfeld“, analysierte Márquez. Sein Lösungsvorschlag klingt simpel, ist aber technisch anspruchsvoll: „Ein kleiner Schritt in Richtung mehr Front-Grip – vielleicht nur eine Federhärte oder ein anderer Kopfwinkel – und die Räder beginnen zu tanzen, statt zu kämpfen.“

Die Mechaniker in der Box erhalten klare Marschroute: „Wir müssen enger zusammenrücken als je zuvor. Die Saison ist jung, aber die Punkte-Lücke wächst exponentiell, wenn du nicht in den Top-3 landest.“ Tatsächlich: Mit 26 Punkten Rückstand auf Bezzecchi ist Márquez bereits außerhalb der Titelrechnung, sollte der Trend anhalten.

Weltmeisterschaft? noch nicht gestrichen

Weltmeisterschaft? noch nicht gestrichen

„Wer jetzt aufgibt, hat schon verloren“, sagte er und verwies auf die Restsaison: noch 18 Rennen, 368 Punkte im Pool. „Ich werde wieder fallen, Bezzecchi wird wieder fallen – das ist MotoGP. Aber der Italiener kann sich einen Fehler leisten, ich aktuell nicht.“ Die Rechnung ist gnadenhaft: Bezzecchi führt nach drei Rennen mit 70 Punkten, Márquez holte nur 29. „Wir jagen nicht nur einen Fahrer, sondern einen kompletten Zustand – und der heißt Perfektion.“

Bis Jerez hat das Team zwei Wochen, um neue Setup-Daten zu validieren. „Wenn wir dort nicht mindestens aufs Podest fahren, wird die Geschichte früher enden als gedacht“, gab Márquez unverblümt zu. Der Countdown läuft – und mit jeder verlorenen Zehntelsekunde wächst der Druck auf Ducati, endlich den „leichten Schritt“ zu vollziehen, von dem Márquez träumt.