Marokko wirft regragui raus – der wm-halbfinale-held muss gehen
Walid Regragui ist weg. Drei Monate vor der WM in Kanada, Mexiko und den USA hat Marokko den Mann entlassen, der das Land 2022 zum ersten Mal ins Halbfinale einer WM führte. Der Verband präsentierte sofort den Nachfolger: Mohamed Ouahbi, 39, bisher U-20-Weltmeister-Coach. Die Begründung klingt nach Routine, ist aber ein Kniefall vor der Realität: Die Mannschaft sei „leer“, sie brauche „neue Energie“.

Der könig wollte den titel, der trainer bekam buh-rufe
Regragui hatte Geschichte geschrieben, doch Geschichte zählt in Marrakesch nur, wenn sie sich wiederholt. Seit dem Winter herrscht offener Krieg: Anhänger piffen, Präsident Faouzi Lekjaa zögert mit Rückendeckung, der König investiert Millionen – und wartet auf den großen Coup 2030, wenn Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal gastiert. Der Druck explodierte beim Afrika-Cup im eigenen Land. Nach dem Finale gegen Senegal (0:1 n.V.) soll Regragui schon in der Kabine seinen Rücktritt eingereicht haben. Er war erschöpft, sagt er heute. Die Wahrheit: Er war allein.
Ouahbi bekommt sofort Verstärkung an die Seite gestellt. João Sacramento, Ex-Co von PSG, Tottenham und Roma, soll die taktische Brille liefern. Ein Dream-Team? Vielleicht. Ein Notpflaster? Auf jeden Fall. Die Atlaslöwen treffen in der Gruppenphase auf Brasilien, Schottland und Haiti – ein Programm, das selbst erfahrene Coaches schwitzen lässt.
Die Uhr tickt. Ouahbi hat gerade einmal 90 Tage, um eine neue Startelf zu finden, eine neue Seele zu formen und die Erwartungen eines ganzen Königreichs zu befriedigen. Regragui kann ab sofort wieder normal atmen – und Marokko fragt sich, ob es den Triumph von 2022 überhaupt je wiederholen kann, wenn es schon den Architekten dafür verscheucht.
