Marokko begnadigt senegalesische fans nach afrika-cup-chaos
Ein überraschender Schritt aus Rabat: König Mohammed VI. hat die senegalesischen Fußballfans begnadigt, die nach den turbulenten Ereignissen beim Afrika-Cup-Finale in Marokko inhaftiert waren. Die Freilassung erfolgt aus humanitären Gründen und vor dem Hintergrund bevorstehender Feierlichkeiten.

Die hintergründe des eskalations beim finale
Das Finale am 18. Januar, das Senegal mit 1:0 gegen den Gastgeber Marokko gewann (allerdings nachträglich vom Kontinentalverband CAF dem Gastgeber zugesprochen), endete in einem chaotischen Szenario. Nach einem umstrittenen Elfmeter in der Nachspielzeit und dem Aberkennung eines senegalesischen Treffers versuchten Fans, den Platz zu stürmen und Gegenstände zu werfen. Die marokkanische Staatsanwaltschaft erhob Anklage, basierend auf Überwachungsaufnahmen und ärztlichen Attesten verletzter Beamter. Der entstandene Sachschaden wird auf über 370.000 Euro geschätzt.
18 Senegalesen waren im Gefolge der Ausschreitungen festgenommen worden. Im Februar wurden sie zu Haftstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr verurteilt. Bereits im April wurden drei der Fans nach Verbüßung ihrer dreimonatigen Strafe entlassen. Die restlichen 15 blieben in Haft, da ihre Strafen länger ausfielen.
Die königliche Begnadigung, die nun erfolgt, wird voraussichtlich auch für diese 15 gelten. Anwalt Patrick Kabou, der die meisten Senegalesen vertritt, äußerte sich optimistisch: Die Freilassung für Samstagabend wird erwartet. Die Entscheidung des Königs fällt vor dem Hintergrund der bevorstehenden Feierlichkeiten des muslimischen Opferfestes Eid al-Adha, das ab Mittwoch in Marokko begangen wird.
Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Begnadigung auf den anhängigen Berufungskampf Senegals vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) haben wird, der sich mit der nachträglichen Vergabe des Afrika-Cup-Titels an Marokko befasst. Die Entscheidung des CAF, den Titel nachträglich zu vergeben, war von Senegal scharf kritisiert worden. Die brüderliche Geste des Königs könnte jedoch die diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Ländern merklich entschärfen und den Weg für eine einvernehmliche Lösung im Rechtsstreit ebnen.
Die Freilassung der senegalesischen Fans ist nicht nur ein Zeichen der Versöhnung, sondern auch ein klares Signal für die Bedeutung der sportlichen Fairness und des Respekts im internationalen Fußball. Die marokkanische Regierung hat damit gezeigt, dass sie bereit ist, über die Eskalationen des Finales hinwegzusehen und die traditionell guten Beziehungen zu Senegal zu pflegen.
