March-madness-aus für christian anderson: nba-traum bleibt, goldrausch endet

Die Nacht von Sonntag auf Montag wurde für Christian Anderson zur Mondschein-Nacht der Enttäuschung. In Tampa verabschiedete sich Texas Tech mit 65:90 gegen Alabama – und mit ihm der deutsche Ausnahme-Guard aus dem College-Traum. Kein Sweet-Sixteen, kein letzter Dance, nur ein letzter Blick auf die leeren Körbe, die wie offene Münder wirkten.

Andersons bilanz: sieben punkte, drei assists, eine reise

19 Minuten, 3/10 Feld, ein Rebound – Statistiker nennen es „underwhelming“. Anderson selbst schwieg nach dem Buzzer. Der 19-Jährige hatte die Saison mit 17,4 Punkten im Schnitt getragen, gegen Alabama traf ihn die Last der Erwartung an der Achillessehne. Alabama presste ihn mit Double-Teams in die Ecke, zwang ihn zur Rechten, nahm ihm den Atem. Die 25-Punkte-Niederlage ist die höchste Tech-Klatsche im March-Madness seit 1961.

Was bleibt, ist der Blick nach vorn. Scouts hatten Anderson in Mock-Drafts zwischen Pick 14 und 20 gelistet – ein Stockwerk tiefer nach Tampa, aber noch immer im Lotterie-Gürtel. „Er hat die Tools, muss aber lernen, Lesen statt Reagieren zu spielen“, sagt ein NBA-Manager anonym. Die Atlanta Hawks, San Antonio Spurs und Utah Jazz haben bereits Interesse signalisiert. Andersons Vater und Berater Chris Sr. fliegt am Donnerstag nach Chicago zur Draft-Combine. Dort zählt jeder Centimeter Wingspan, jede Zehntelsekunde Sprint.

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Dennis Schröder twitterte nach dem Spiel: „C.A. bleibt mein Mann – gebt ihm zwei Jahre, dann übernimmt er.“ Bundestrainer Álex Mumbrú hält die Karten enger. „Wir haben seinen Debüt-Einsatz gegen Georgien im Sinn, aber er muss First-Step-Verteidigung und Shot-Selection stabilisieren“, sagte der Spanier am Rande des Supercups. Anderson selbst will im Sommer erneut ins Mannschaftsquartier nach Berlin einziehen – diesmal ohne Cut.

Die March Madness rollt weiter ohne ihn. Von 14 deutschen Startern verbleiben noch neun – Isaac Bonga (UCLA), Justus Hollatz (Houston) und Malte Delow (Iowa) haben Tickets fürs Achtelfinale. Indianapolis ruft, das Final Four am 4. bis 6. April wird 73 000 Fans in der Lucas-Oil-Stadion fassen. Anderson wird zuschauen, Koffer neben dem Sofa, NBA-Kappe schon bestellt. Der Traum ist geplatzt, der Flug noch nicht gebucht. In der Nacht nach Tampa schrieb er auf Instagram: „Sometimes the mirror shows you the work, not the glory.“ Der Spiegel steht noch da. Und hinter ihm wartet eine Liga, in der Ruhm schneller kommt als in jedem College-Turnier – aber auch schneller wieder verschwindet.