March madness verabschiedet deutsche stars – nur kharchenkov tanzt weiter
Die Nacht war ein Minenfeld für deutsche Hoffnungen. Während Christian Anderson sieben Zähler schaffte und mit Texas Tech nach 25 Minuten Desaster die Koffer packte, schleppte sich Johann Grünloh mit gebrochenem Handgelenk vom Feld – Virginia raus, Traum begraben. Nur Ivan Kharchenkov bleibt im Rennen, seine Arizona-Wildcats fegen Utah State aus der Arena und buchen das Sweet-Sixteen-Ticket.
Andersons debakel: 2/11 fg, 0/7 dreier, saisonende
Alabama zeigte keine Gnade. Die Crimson Tide verwandelten 19 Dreier, zwei davon schleuderte Latrell Wrightsell in 90 Sekunden, bevor Texas Tech überhaupt reagierte. Anderson wirkte wie in Zeitlupe, seine Sieben-Punkte-Statline ist die magerste seit seiner Highschool-Zeit. „Wir haben ihn mit Double-Teams gesägt, er kam nie in den Rhythmus“, sagte Alabama-Coach Nate Oats nach dem 90:65.
Die Red Raiders verabschieden sich als erstes Top-16-Team, ein Schock für die Big-12, ein Schock für Anderson. Der 21-Jährige hatte vor dem Tip-off noch von „Final-Four-Glück“ gesprochen – stattdessen endet seine College-Karriere mit einem Flop, der in den Stat-Börsen für NBA-Scouts wie ein Warnsignal blinkt.

Grünloh spielt verletzt – virginia kollabiert in 120 sekunden
Die Cavaliers führten 71:70, dann kam der 1:9-Run. Johann Grünloh stand 21 Minuten auf dem Parkett, traf nur einmal aus vier Würfen, fasste sich nach dem Abpfiff an die eingegipste Hand. „Er hat die Schmerzen weggelächelt, aber der Wurf fehlte die letzte Finesse“, berichtet Assistenztrainer Ron Sanchez. Tennessee zieht ins Sweet Sixteen ein, Grünloh fliegt nach Charlottesville, um sich operieren zu lassen.
Die Diagnose: Handgelenksfraktur, sechswöchige Pause. Für den ehemaligen Rasta-Vechta-Center bedeutet das möglicherweise den Verlust wichtiger Draft-Workouts. NBA-Insider sprechen von einem „versteckten Verletzungsrisiko“, das seinen Aktienkurs drücken könnte.

Kharchenkovs trost: defense first, korb zweitrangig
Während die deutsche Kollegen jammern, lacht Ivan Kharchenkov. Der Ex-Guard steuerte neun Punkte bei, doch seine harte Defense gegen Utah-State-Leader Great Osobor war der X-Faktor. „Ivan hat die Energie gebracht, die uns fehlte“, sagt Arizona-Coach Tommy Lloyd. Mit 78:66 buchen die Wildcats Platz drei im Sweet Sixteen – Gegner wird Arkansas, ein Duell, das Kharchenkov schon als „Krieg“ bezeichnet.
Die Bilanz nach der ersten Woche: Von fünf deutschen Spielen im Turnier bleibt nur einer übrig. Die Quote ist brutaler als jeder Dreier, den Alabama versenkt hat.
March Madness frisst nationale Helden zum Frühstück – und spuckt nur die aus, die bereit sind, auf Biegen und Brechen weiterzukämpfen. Kharchenkov ist noch drin, die Uhr tickt, die Netze sind gespannt. Nächste Runde, nächste Chance – oder endgültiges Aus.
