Marcelino wirft anker: „spanien? kaum machbar – ich lerne jetzt englisch“
Er hat Villarreal mit 72 Punkten auf Rang drei geparkt, die Champions-League-Tickets sicher gebucht – und kommt sich trotzdem vor wie ein Mann ohne Hafen. Marcelino García Toral, 58, ist seit dem Schlusspfiff freier Mann. Keine Klause, kein Anrufbeantworter, nur die Gewissheit, dass sein Zyklus im Ceramica nach insgesamt sieben Jahren endgültig vorbei ist.
„Die autorität schmilzt, wenn alle wissen: der trainer fliegt“
Die Bombe tickte seit Januar. Intern vereinbart, extern totgeschwiegen. „Wir haben die Diskretion hochgehalten, damit die Leistung nicht leidet“, sagt Marcelino im Niemandsland zwischen Kabine und Parkplatz. Die Wahrheit: Die Spieler wussten Bescheid. Und genau das macht die Saisonleistung zur kleinen Meisterleistung. „Wenn der Kader spürt, dass dein Vertrag abläuft, schmilzt die tägliche Autorität. Die Jungs haben trotzdem geliefert – deshalb danke ich ihnen, nicht umgekehrt.“
Die Zahlen geben ihm recht. Villarreal schoss die drittbeste Defensive der Liga, gewann 21 Mal, kassierte nur in vier Heimspielen Gegentore. Ein Abschied, der nach Champagner schmeckt, aber trotzdem bitter im Hals kratzt. „Sieben Jahre, zwei Etappen, zwei Europapokal-Titel, 266 Punkte aus 152 Spielen – was soll ich nörgeln? Trotzdem zieht es sich wie ein leiser Schmerz, weil du Menschen zurücklässt, nicht nur Kollegen.“

Spanien adiós, brexit hello?
Die Frage nach der Zukunft lässt ihn kurz lachen, dann kommt die Holzhammer-Antwort: „In Spanien wird’s eng. Sehr eng.“ Kein Klub gebucht, kein Gespräch am Rande, keine heimliche Handynummer. Stattdessen offenbart er ein neues Kapitel: „Ich habe mir vorgenommen, Englisch zu lernen. Nicht für den Urlaub, sondern fürs Büro. Die Insel lockt.“ Dabei schränkt er ein: „Mein Level? Regular, wie wir in Asturien sagen – weder Cervantes noch Shakespeare.“
Die Premier League ist kein Geheimnis, nur kein konkretes Angebot. Newcastle? Tottenham? Keine Spur. „Wer ruft schon einen Trainer an, der gerade erst auf Sendepause geschaltet hat?“ Stattdessen fliegt er mit Frau und Sohn nach Portugal, um Gedanken zu sortieren und Vokabeln zu pauken. „Wenn ich in zwei Monaten noch keinen Stuhl habe, kehre ich zurück – aber dann als Zuschauer.“

Dani parejo, 35: „rente? seine entscheidung, nicht meine“
Ürgestein Dani Parejo trainierte bis zum letzten Tag mit Vollgas, könnte aber ebenfalls das Villarreal-Trikot ausziehen. Marcelino schüttelt den Kopf. „Ich rate nicht. Drei Kinder, Haus in Valencia, 400 Ligaspiele im Rücken – das ist Mathematik plus Gefühl. Talent hat er noch massig, aber die Uhr tickt lauter als der Stadiion-Lautsprecher.“
Ein letztes Bonbon wirft der Trainer noch ein: „Wenn er weitermacht, wird er nicht mehr der Radschlag-Zirkus, sondern der Dirigent. Wenn er aufhört, wird er Trainer – wetten?“
Nationalteam? „erstmal fernglas, keine fahne“
Die spanische WM-Liste kommentiert er mit einem Schulterzucken. „Noch nicht gesehen. Luis de la Fuente verdient Respekt, er trägt das Maßband, wir anderen nur den Stift.“ Selbst sehe er sich „nicht in der Kategorie Nationaltrainer, solange kein Ergebnis zählt, sondern nur die Hoffnung“. Die Devise laute: „Erst wieder Siege, dann wieder Träume.“
Marcelino steigt ins Auto, rast Richtung Autobahn A-7. Kein Klublogo auf dem Beifahrersitz, nur ein Stapel Vokabelkarten. „Sieben Jahre Villarreal waren ein Roman. Jetzt beginnt die Kurzgeschichte – und die schreibe ich woanders, das spüre ich.“
