Marburger sprintet trotz infekt zu silber – deutsche para-langläufer stürmen podest
Sebastian Marburger schleppte sich mit Fieber zum Start, 2,7 Sekunden später lag er in Tränen auf dem Silbertreppchen. Der 28-Jährige aus Wunderthausen verpasste bei seiner Paralympics-Premiere in Tesero Gold nur gegen Raman Swirydsenka, lieferte aber die vielleicht kähnste Vorstellung des Tages ab. Frühlingshafte Plusgrade, ein grippaler Infekt – für Marburger waren das keine Ausreden, sondern Schleusen für Adrenalin.
Leonie walter holt silber – und schon die nächste medaille in sicht
Knapp 90 Minuten später schwang auch Leonie Walter mit Guide Christian Krasman aufs Podest. Die 22-jährige Biathlon-Bronze-Reiterin steckte im Sehbehinderten-Sprint die Russin Anastasija Bagijan nicht mehr ein, kassierte aber ihre sechste Paralympics-Medaille. Hinter ihr: Teamkollegin Linn Kazmaier, 19, nur 0,6 Sekunden zurück. Kazmaier hat jetzt ebenfalls sechs Edelmetalle – und ist noch nicht mal in der Hälfte ihrer Sportkarriere.
Die Geschichten überschlagen sich. Andrea Eskau, 54, wurde in der sitzenden Klasse Vierte und bestätigt, warum sie nach neun Spielen noch immer zur Weltspitze gehört. Anja Wicker, mit Silber und Bronze im Biathlon bereits beladen, wurde Sechste – und lachte trotzdem, weil Oksana Masters zwar ihren elften Paralympics-Sieg einfuhr, aber eben auch nur menschlich ist.
Kathrin marchand verpasst podest um 1,9 sekunden – und lacht über sich selbst
Die größte Dramatik erlebte Kathrin Marchand. Die 35-jährige Ex-Ruderin, vor fünf Jahren vom Schlaganfall aus dem Olympiaboot gerissen, sprintete sich auf Rang vier – 1,9 Sekunden hinter Vilde Nilsen. „Ich wollte eigentlich nur ins Halbfinale“, sagte sie und wischte sich Schneespray aus dem Gesicht. „Dass es fast fürs Podest reicht, macht mich fertig – auf gute Art.“
Deutschland verlässt den Sprinttag mit vier Medaillen, aber vor allem mit einer Botschaft: Die neue Para-Langlauf-Generation ist kein Aufbaugebilde mehr, sondern ein Selbstbedienungsladen. Und Marburger? Der 28-Jährige schob sich im Mixed-Zone-Mikrophon-Gewirr die Silbermedaille ans Hemd und murmelte: „Morgen ist die 10 km, da wird richtig gekocht.“ Wer ihn heute gesehen hat, glaubt ihm jedes Wort.
