Mainz will ohne silas geschichte schreiben – europa-viertelfinale greifbar nah
Die Nervosität bleibt draußen, der Europäische Traum lebt. Mainz 05 empfängt Sigma Olmütz zum Rückspiel der Conference-League-Zwischenrunde – und muss dabei auf Silas verzichten, der sich in Tschechien Schien- und Wadenbein brach. Trotzdem schickt Urs Fischer seine Mannschaft mit zwei Spitzen ins Rennen. Die Devise: Vollgas statt Bauchpinseln.
Weiper oder sieb – das ist hier die frage
Fischer will kein Geduldsspiel. Er setzt auf Druck von Beginn an. Deshalb fällt die Entscheidung zwischen Nelson Weiper und Armindo Sieb. „Beide bringen Größe, Robustheit und Tempo“, sagt der Trainer. Phillip Tietz bleibt nicht allein vorne, weil Mainz sich nicht verstecken will. Der 0:0-Poker aus Olmütz reicht nicht – das Mewa-Forum soll beben.
Daniel Batz spürt die Spannung. „Wir sind stabil“ – drei Worte, die in Bremen Gewicht bekamen, wo Mainz erstmals seit November wieder gewann. Jetzt winkt das erste Europäische Viertelfinale der Klubgeschichte. „Das ist ein Wahnsinnsspiel“, sagt Fischer. Er spricht selten so laut.

Böving darf sich erneut beweisen
Die Personalie Jae-sung Lee wird zur Schachpartie. Nach 120 Minuten in Olmütz steht der Südkoreaner wieder auf der Reiser-Presse-Potenz-Liste. Fischer schützt ihn vor sich selbst. William Böving liefert sich im Training täglich ein Kraftwerk ab – und bekommt erneut den Vorzug. „Er geht ans Limit“, sagt der Coach. Lee bleibt als Joker in der Hinterhand, für die Phase, in der Olmütz die Köpfe hängen lässt.
Die Tschechen sind kein Selbstläufer. Kompakt, diszipliniert, gefährlich im Umschalten – so lautet das Scout-Fazit. Mainz braucht eine Feinjustierung: schnere Ballzirkulation, vertikale Durchbrüche, mehr Mut im letzten Drittel. Die Nervosität des Hinspiels darf sich nicht wieder einschleichen. Die Arena wird 33.000 Stimmen stark sein – ein wallendes Meer in Rot-Weiß, das die letzten Zweifel wegspült.
Der Abstiegskampf ruht für 90 Minuten. Europa ruft. Mainz kann Geschichte schreiben. Die Spieler wissen: Ein Tor kann reichen, zwei machen den Deckel zu. Die Uhr tickt. Die Stadt zittert. Und irgendwo im Katakomben-Flur flüstert ein Vereinsangestellter: „Wenn wir das schaffen, träume ich bis August.“
