Mainz ringt frankfurt nieder – fischer: „wir atmen auf, aber feiern noch nicht“

Spät, laut, lebenswichtig: Paul Nebel schoss Mainz 05 mit zwei Toren in der 89. Minute an den Rand der Rettung. Das 2:1 gegen Eintracht Frankfurt bedeutet den dritten Sieg in sieben Tagen und einen Sechs-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz. Urs Fischer applaudierte kurz, dann schraubte sofort die Bremse rein.

„Geschafft ist nichts“, sagte der Schweizer nach Abpfiff. „Solange der Rechner kein Freibier ausschüttet, bleiben wir auf Kurs.“ Seine Spieler bekamen dennoch grünes Licht für einen tiefen Atemzug. Drei Spiele, neun Punkte – so schnell haben die 05er seit 2018 nicht mehr gerudert.

Der plan funktioniert – trotz engem kader

Mainz spielte das, was Fischer seit Wochen predigt: frühes Stören, schnelles Umschaltspiel, nie aufstecken. Die Frankfurter, seit 13 Partien ungeschlagen, wirkten überrascht. Nach Nebels Führung (6.) schlichen sich kurz Unsicherheiten ein, doch im zweiten Durchgang riss der 20-Jährige den Faden wieder auf. Sein Volley in letzter Sekunde war keine Kunst, sondern Konsequenz – Mainz warf einfach mehr Körper in die Zweikämpfe.

Die Kurve spielte dabei die zwölfte Mannschaft. 30.000 Zuschauer verwandelten die Opel Arena in eine Schmiede, in der die Saison neu geschmiedet wird. Der Vergleich mit der historischen Europa-League-Woche schießt den Vogel ab: Donnerstag rückte Mainz durch ein 3:0 gegen Gent ins Viertelfinale der Conference League vor, nun folgt Straßburg – und plötzlich träumt sogar der Pokal.

Der restprogramm verlangt noch schweiß

Der restprogramm verlangt noch schweiß

Nach der Länderspielpause wartet Hoffenheim, das seit acht Heimspielen nicht verlor. Dann Straßburg im Viertelfinale – zwei Kracher, die Energie kosten. Fischer kalkuliert kalt: „Wir haben 30 Punkte, brauchen laut Tradition mindestens 36.“ Das sind zwei Siege aus den letzten sieben Spielen. Kein Selbstläufer, aber machbar.

Die Personaldecke bleibt dünn. Karim Onisiwo fehlt weiterhin mit Syndesmoseriss, Nelson Weiper laboriert an der Schulter. Dafür kehrt Stefan Bell nach Gelb-Sperre zurück. Die jungen Wilden – Nebel, Brajan Gruda, Phillipp Mwene – tragen plötzlich Last und Lust zugleich. „Sie haben keine Bremse, das ist der Vorteil der Jugend“, sagt Fischer.

Mainz darf kurz durchatmen, mehr nicht. Die Tabelle lügt nie, und der Rechner verzeiht keine Schönwetterfahrten. Noch sieben Finals, dann entscheidet sich, ob die Saison als Rettungsakt oder Märchen in die Chronik einzieht. Bis dahin gilt: Trainieren, schlafen, gewinnen. Der Rest ist Nebensache.