Mainz 05 stolpert über sich selbst – fischer muss köpfe klar bekommen
0:4 in Straßburg, Rote Karte, Provokationen, frustrierte Gesichter – Mainz 05 hat sich aus der Conference League gekümmert, als wäre nie ein Hinspiel-Sieg passiert. Die Cleverness, die Urs Fischer vor dem Rückspiel einforderte, blieb im Flugzeug. Was zurückblieb, war eine Mannschaft, die aussah, als hätte sie vergessen, wie Fußball funktioniert.
Fischer zügelt sich – aber die wut bleibt spürbar
Der Trainer sprach nach dem Schlusspfiff von „solchen Tagen“ und bat um Bedacht. Doch hinter den wohl dosierten Worten brodelt es. Seine Spieler lieferten sich individuelle Fehlerketten, stellten sich vor allem aber kollektiv blöd an. Wer so verteidigt wie Mainz in der ersten Hälfte, darf sich nicht wundern, wenn Straßburg sich in einen Rausch spielt. Die Elf wirkte wie ein Kartenhaus im Sturm – ein leichtes Anstoßen genügte.
Die Zahlen sind gnadenlos: vier Gegentore, 37 Proussische Ballbesitzphase, nur zwei Torschüsse aufs Tor. Dazu die Ampelkarte für Nadiem Amiri, der sich nach einem Foul provozieren ließ und mit einer Tätlichkeit reagierte. „Das hat für mich nichts mit Respekt zu tun“, sagte Paul Nebel über die anschließende Show von Martial Godo, der das Mainzer Trikot demonstrativ an die Eckfahne hängte. Die Szenerie eskalierte, Ordner mussten eingreifen. Mainz 05 war nicht nur sportlich unterlegen, sondern auch emotional chancenlos.

Die bundesliga ruft – und sie wartet nicht auf trauer
Schon am Sonntag geht’s nach Mönchengladbach. Dort wartet eine Borussia, die gegen Freiburg einen Dreier landete und den Anschluss ans Mittelfeld sucht. Mainz hat acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang, doch die Aura der Unbesiegbarkeit ist weg. Sportvorstand Christian Heidel sprach vom „chancenlosen“ Auftritt, Kapitän Silvan Widmer von „dummen Fehlern“. Die Worte sind harmlos – die Wirkung nicht. Sie zeigen, wie tief die Krater sind.
Fischer muss nun eine Mannschaft wieder aufrichten, die in weniger als 48 Stunden von Europa-Luft auf Abstiegskampf umschalten soll. Die Frage ist weniger, ob er dafür die richtigen Worte findet – die hatte er schon vor Straßburg. Die Frage ist, ob seine Spieler sie endlich umsetzen. Sonst droht der Saisonendspurt zum Geduldsspiel zu werden, bei dem Mainz am Ende vielleicht mit dem letzten Atemzug zittert. Die Conference League ist Vergangenheit, die Bundesliga gnadenlos Realität. Wer da nicht aufpasst, fliegt nicht nur aus Europa – sondern vielleicht auch gleich ganz raus.
