Mainz 05 schockt straßburg und träumt vom halbfinale

Mainz 05 hat die europäische Fußballwelt aufhorchen lassen. Mit einem energischen 2:0 im eigenen Stadion schickt der Vorjahresabstiegskandidat Racing Straßburg eine Woche vor dem Rückspiel in die Defensive – und sich selbst auf direktem Weg in den Halbfinal-Traum der Conference League.

Sano und posch versiegeln den auftritt

Kaishu Sano lieferte nach 13 Minuten den Zapfenstreich: Volley aus 18 Metern, unten links, keine Chance für Matz Sels. Drei Minuten später setzte Stefan Posch nach einer Ecke den Kopfball an den Innenpfosten – 2:0, Spiel entschieden, MEV-Arena außer sich. Die Mainzer starteten wie entfesselt, pressten Straßburg in dessen Hälfte und ließen den französischen Traditionsclub lange wie einen Schuljungen aussehen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 13:3 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, 24 gewonnene Zweikämpfe gegenüber 14. „Wir haben das Spiel kontrolliert, die Räume eng gemacht und die Nase immer vorn“, sagte Mittelfeldmotor Paul Nebel. Die Null nach vorne ist dabei kein Zufall – Mainz kassierte in den letzten fünf Europapokal-Spielen nur ein Gegentor.

Doch die 2:0-falle lauert

Doch die 2:0-falle lauert

Die Geschichte lehrt: Ein 2:0 ist das gefährlichste Ergebnis im Fußball. Straßburg hat in der Ligue 1 bewiesen, dass sie umschalten können – beim 3:1 in Marseille oder dem Last-Minute-Sieg gegen Lille. Danny da Costa warnt deshalb: „Wir haben nichts geschenkt bekommen. Wenn wir in der Alsace nicht konsequent auftreten, fliegen wir trotzdem raus.“

Die personelle Lage gibt trotzdem Rätsel auf: Captain Silvan Widmer fiel kurzfristig aus, dafür kehrte Andreas Hanche-Olsen zurück. Trainer Urs Fischer rotierte geschickt, stellte das Mittelfeld um und ließ Straßburg laufen. Die Franzosen wirkten ideenlos, weil Mainz ihnen die Räume nahm und jede zweite Ballannahme früh störte.

Vom tabellenletzten zum europacup-helden

Vom tabellenletzten zum europacup-helden

Die Wandlung ist spektakulär. Noch vor 15 Spieltagen stand Mainz auf dem 18. Platz, das Gespräch galt dem Abstieg. Dann kam Fischer, stellte die Defensive um und schürfte Punkte. Jetzt liegt der Klub auf Rang neun – und träumt von einem zweiten Europapokal-Jahr in Folge. „Die Jungs haben gelernt, dass man auch mal 1:0 hinten liegen kann und trotzdem ruhig wird“, sagt Sportdirektor Nico Bungert. „Diese Reife zahlt sich aus.“

Die Fans spüren es. Das Stadion war gegen Straßburg ausverkauft, die Kurve sang 90 Minuten durch. Die Mainzer Arena wird zur Festung: In dieser Saison gab es hier erst eine Niederlage, und die im Pokal gegen Leipzig. Die nächste Prüfung folgt am Sonntag gegen Freiburg – auch sie sind im Europapokal heiß.

Doch zuerst gilt: Schweres Erbe wahren. Das Rückspiel in Straßburg am 17. April wird zur Geduldsprobe. Wer 2:0 führt, darf nicht nachlegen wollen, sondern muss clever verwalten. „Wir fahren nicht nach Frankreich, um zu verteidigen“, betont Fischer. „Wir wollen das Spiel machen.“

Wenn Mainz das schafft, steht das Halbfinale bevor – und vielleicht sogar ein Finale in Istanbul. Die Fans singen schon: „Europa wir kommen.“ Nach dem 2:0 gegen Straßburg ist das kein Wunschdenken mehr, sondern ein realistisches Ziel. Die Mainzer Zeitenwende hat ein neues Kapitel – und dieses riecht nach Mai.