Mainz 05 nach europa-coup: fischer entlässt seine jungs nicht in den himmel
Der 1. FSV Mainz 05 hat Geschichte geschrieben – und schon wieder den Alltag vor der Brust. Nach dem ersten Viertelfinal-Einzug einer rheinhessischen Profimannschaft in einem Europapokal-Wettbewerb geht es am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt um nacktes Überleben in der Bundesliga.
Trainer Urs Fischer reibt sich die Hände. Nicht aus Euphorie, sondern aus Vorfreude auf die Reaktion seiner Spieler. „Die Mannschaft ist sehr bodenständig“, sagt der 60-jährige Schweizer und meint damit: Keiner wird sich auf den Conference-League-Trip versteigen. Drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz – das ist der Zündstoff, der Mainz am Main zusammenhält.

Fischer fordert leistung am limit
Frankfurt kommt mit Ballbesitzphilosophie und neuem Selbstvertrauen. Unter Coach Albert Riera laufen die Hessen nicht mehr nur gegen den Ball, sondern auch mit ihm. „Sie wollen spielerische Lösungen finden“, warnt Fischer. Das klingt nach kurzen Passstafetten, nach Räumen, die sich auftun und wieder zuschlagen wie Falltüren. Seine Antwort: eine Leistung „am Limit“. Keine Floskel, sondern ein Maßstab, der in Mainz bereits über Leben und Tod entscheidet.
Der Sprung vom Europapokal-High zur Abstiegsangst ist in der Bundesliga so kurz wie der Flug des Balls von Olmütz nach Frankfurt. Fischer weiß: Siege wie der 2:0 gegen Sigma holen Selbstvertrauen, aber keine Punkte im Klassenkampf. „Die Jungs haben im Kopf, dass die nächste Aufgabe die wichtigste ist“, betont er. Die interne Kommunikation funktioniert – und trotzdem rauscht der Gegner mit europäischem Anspruch ins Mewa-Stadion.
Die Fans träumen von Leipzig, dem Final-Four-Turnier der Conference League. Doch vorher steht ein Duell gegen den Nachbarn an, der Mainz schon oft den Atem genommen hat. Frankfurt gewann drei der letzten fünf Pflichtspiele gegen die Nullfünfer und schoss dabei 11 Tore. Die Statistik ist kein Freund der Mainzer, aber sie ist auch kein Schicksal.
Fischers Schlüssel heißt Stefan Posch. Der österreichische Verteidiger traf gegen Olmütz und beendete eine persönliche Torflaute. „Er bringt die Ruhe, die wir brauchen“, sagt Fischer. Ruhe ist in Mainz zurzeit das höchste Gut – neben Punkten.
Am Sonntag um 15.30 Uhr wird nicht nur der Platz brennen, sondern auch der Kopf. Frankfurt will nach oben, Mainz muss weg vom Relegationsplatz. Die Europa-Coupeuphorie ist nach 48 Stunden abgelaufen. Fischer hat die Bremse nie gezogen – er braucht sie einfach nicht. Seine Jungs sollen laufen, bis die Schuhe qualmen. Wer in Mainz bestehen will, muss zuerst gegen sich selbst gewinnen.
