Maier verpasst kugel-k.o. – näslund lächelt, howden feiert

Craigleith ist kein Ort für Träumer. Daniela Maier weiß das seit Samstag, jetzt seit Sonntag auch. Fünfter Platz, zweimal hintereinander. Die Olympia-Dritte fliegt auf Kanadas Eisbrecher-Piste erneut aus dem kleinen Finale, während Sandra Näslund souverän gewinnt und die Kristallkugel schon mal poliert.

Die Rechnung ist gnadenlos: 175 Punkte Rückstand, zwei Rennen übrig. Selbst ein Doppelsieg würde nur reichen, wenn die Schwedin in Gällivare maximal 35 Zähler sammelt – das entspricht in etwa einem 15. Platz. Kurz: Maier braucht ein Wunder, Näslund nur noch ein Schluck Glühwein.

Heat-blitz, halbfinallähmung

Im Viertelfinale zeigt Maier noch ihr Gesicht: Start, erste Weiche, Druck bis ins Ziel – souveräner geht kaum. Doch im Semifinale trifft sie auf Näslund und Fanny Smith, die beiden Turbo-Frauen des Weltcups. Die 29-Jährige verliert den Speed in der ersten Luftwelle, bleibt hängen, muss in die Repechage. Dort gewinnt sie zwar, doch der Zug Richtung Podest ist abgefahren.

„Ich fahre aggressiv, aber nicht clever genug“, sagt sie mit schiefem Lächeln. „Wenn du hier eine Linie zu spät nimmst, schluckt dich der Schnee.“ Der Schnee von Craigleith hat sie zweimal verschluckt.

Howden feiert, tamasoni überholt

Howden feiert, tamasoni überholt

Während die Frauen noch rechnen, ist bei den Männern alles klar: Reece Howden holt seine vierte Gesamtwertung – 2021, 2023, 2025 und nun 2026. Der Kanadier patzt am Heimwochenende selbst (zweimal Neunter), aber sein Vorsprung war zu groß. Die Trophäe bleibt im Land, die Lorbeeren holt sich Federico Tamasoni. Der Italiener sprintet im Finale vor Kaleb Barnum und Kristofor Mahler, Howden schaut vom Rand der Piste auf seine Zukunft als Statist.

Deutsche Männer? Fehlanzeige. Ohne Florian Wilmsmann, Tim Hronek und Cornel Renn schafft nur Niklas Illig das Viertelfinale – und scheidet dort aus. Jonas Bachl-Staudinger, Kilian Himmelsbach und Florian Fischer verpassen bereits das Achtelfinale. Die Kugel rollt ohne deutsche Prägung weiter nach Norden.

Crash mit happyend

Crash mit happyend

Ein Moment bleibt hängen: Leonie Bachl-Staudinger kollidiert mit der gestürzten Mylène Ballet Baz, fliegt ins Fangnetz. Die Französin bleibt liegen, die Deutsche steht auf – beschmiert, aber heil. Ballet Baz muss per Schlitten abtransportiert werden, Bachl-Staudinger fährt weiter. „Ich dachte nur: Bitte nicht liegenbleiben“, sagt sie später. Das Publikum atmet auf, die Saison aber ist für beide vorbei.

Nächster und letzter Stopp: Gällivare, Schweden. Zwei Rennen, zwei Kugeln, ein letzter Tanz auf schwedischem Eis. Für Daniela Maier bleibt nur die Rolle der Jägerin ohne Gewehr. Die Kugel ist nicht mehr in Reichweite – aber vielleicht der Stolz, sich wenigstens nicht zu verstecken.