Maier nagelt montafon-silber heraus – dsv ohne medaille in der männer-loipe

165 Punkte. Genau diese Lücke trennt Daniela Maier von Sandra Näslund im Gesamtweltcup – und genau diese Lücke spürte die deutsche Skicross-Queen am Samstag im Ziel von Tschagguns wie ein Messer zwischen den Rippen. Olympiasiegerin hin oder her, die Schwedin war nach dem letzten Sprung wieder eine Nasenspitze schneller, während Maier im Schnee kratzte und sich die Schneekristalle aus dem Helm schüttelte.

Montafon wird zur geduldsprobe für den dsv

Ein Podestplatz, sonst nichts. Das ist der Trost, den das deutsche Team nach einem Wochenende mitnehmen darf, das eigentlich als Generalprobe für die Heim-WM 2027 gedacht war. Statt Selbstvertrauen gibt es Verletzungszettel. Florian Wilmsmann, drei Olympiateilnahmen, Saison vorbei – Syndesmose angerissen, Schiene statt Ski. Tim Hronek, Innenband halb durch, vielleicht noch Schweden-Einsatz, vielleicht auch nicht. Die Ärzte nennen das „Resteinschätzung“, die Athleten nennen es „Lotterie“.

Die Männer? Abgeschossen. Kilian Himmelsbach und Jonas Bachl-Staudinger erwischten im Viertelfinale die Kanadier-Reihe – Howden, die Kanada-Flagge, raste durch, Deutschland schaute zu. Kein Deutscher im Finale, keine Medaille, keine Gnade. Die Medaillenentscheidung lief ohne deutsche Beteiligung, das hatte zuletzt 2019 in Idre Fjäll gedroht, damals war es ein Ausrutscher. Heute ist es Realität.

2027 Rückt näher – und mit ihr die rechnung

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Die WM-Baustelle in Montafon schläft nicht. Die Streckenposten stehen schon, die Tribüne wächst täglich ein Meter. Was aber, wenn die eigenen Stars fehlen? Wilmsmann wird 32 sein, Hronek 28, beide wissen: Heim-WM ist einmal im Leben. Die Verbandschefs reden von „Langzeitplanung“, was heißt: Wer heute nicht läuft, morgen vielleicht auch nicht. Und die Konkurrenz schläft nicht – Näslund baut ihre Führung aus, Galli hält Italien warm, die Schweizer melden Nachwuchs, der schon 120 km/h misst.

Daniela Maier sammelt Punkte wie andere Sammelbilder. 30 Jahre alt, jedes Rennen kann das letzte sein, das weiß sie. Im Zielraum sagt sie: „Ich fahre auf Silber, aber ich sehe Gold.“ Sie lacht, doch der Ton kratzt. Die Saison endet in Idre, dann zählt nur noch eine Zahl: 165. Oder null.