Magdeburg zieht nach paris – und plant schon den nächsten coup
200 Fans, ein Sieg, dann Urlaub? Nicht bei Bennet Wiegert. Der SC Magdeburg reist mit dem Ticket fürs Viertelfinale in der Tasche nach Paris – und trotzdem will der Coach in der Halle von PSG nichts von Schonung wissen. „Wir spielen auf Sieg, klarer Fall“, sagt er, während hinter den Kulissen schon die Kaderplanung für 2025 läuft.
Belastungssteuerung mit trick
45 Pflichtspiele hat Magdeburg bereits absolviert, dazu Länderspiele, Reisen, Turniere. Die Belastung ist ein Pulverfass. Wiegert kennt die Zahlen, er hat sie selbst auf dem Zettel. „Wenn wir im März nicht aufpassen, explodiert das“, sagt er. Also schraubt er die Trainingsdosis runter – was wiederum das Spielsystem durcheinanderbringen kann. „Wir haben einfach nicht genug Einheiten, um alles zu repetieren.“ Die Lösung: Video, Individualarbeit, Mikro-Zyklen. Ein Hochleistungsteam, das sich selbst neu erfindet.
Die personellen Lücken werden nicht kleiner. Gegen PSG fehlen zwei, vielleicht drei Schlüsselspieler. Wer? Wiegert schweigt. Er will Paris keine Vorlage liefern. Die Franzosen haben ihre eigene Krise: Verletzte Stars, unruhiger Tabellenplatz in der Liga. Für Magdeburg also ein Fenster, das man sich mit der Hand zuhalten sollte.

O’sullivan, kuzmanovic und das schweigen davor
Während die Mannschaft in der Halle schwitzt, sitzt Wiegert am Laptop. Christian O’Sullivan, Mittelfeld-Motor und Fanliebling, soll bleiben. Die Verhandlungen laufen, aber „keine Wasserstandsmeldung“, sagt der Coach und lacht nicht. Dominik Kuzmanovic ist schon eingetütet, Oscar Bergendahl, Lukas Mertens und Matthias Musche ebenfalls. Ein Puzzle, das passen muss – und Geld kostet. Denn der Kader soll nicht nur stabil bleiben, er soll wachsen. Ein Top-Linker, ein Rückraum-Shooter, vielleicht beides. Interne Listen existieren, Namen nicht.
Der Zeitplan ist eng. Die Transferperiode öffnet früh, die Entscheidungen fallen zwischen Weihnachtsurlaub und Testspielphase. Wer zögert, verliert. Wer zu früh zahlt, auch. Wiegert: „Wir wollen nicht shoppen, wir wollen zuschlagen.“
Am Sonntag geht es nach Wuppertal zum abstiegsbedrohten Bergischen HC. Dort will Magdeburg die Ausgangsposition vor der Länderspielpause festigen. Dann sieben Tage Erholung – und danach der Sprint bis ins Final Four. Die Rechnung: Paris siegen, Wuppertal nicht patzen, dann mit frischem Selbstvertrauen in den Knock-out-Modus. Die Realität: Ein Kader am Rande der Überlastung, ein Gegner mit nichts mehr zu verlieren, ein Trainer, der jeden Tag neue Lösungen bastelt.
200 Fans werden mitreisen. Sie wollen ein Spektakel, kein Schongang. Wiegert wird ihnen eins liefern – oder sie lehrt, dass auch ein gesichertes Viertelfinale keine Garantie für Glamour ist. In Paris wird sich zeigen, ob Magdeburg bereit ist für den nächsten Schritt – oder ob die eigene Belastungsgrenze doch früher kommt als gedacht. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.
