Magdeburg wirft berlin aus der bahn – meisterschaft zum greifen nah
35:33 – die Zahl klingt wie ein Herzschlag. In dieser Reihenfolge schlug Magdeburgs Handballherz am Sonntag gegen Berlin, und plötzlich liegt der SCM allein auf Kurs Titel. Die Arena kochte, die Füchse taumeln, die Liga fragt sich: Gibt es dieses Jahr noch jemanden, der den Elb-Klub stoppt?
Matej mandic rast vom stuhl auf die torhüter-bühne
Der slowenische Ersatzmann war eigentlich nur mitgereist, um Sergey Hernandez in der Kabine die Handschuhe zu halten. Dann wurde er in der 36. Minute reingewunken – und blieb. Zwölf Paraden, zwei Siebenmeter-Abwehr-Stops, ein geblockter Kreiswurf in der 58. Minute. Bennet Wiegertdrückte ihn danach so heftig, dass er selbst in die Jubeltraube rutschte. „Danach dachte ich: ‚Mist, das hättest du dir sparen können.‘ Aber es war einfach in mir“, sagt der Coach, der sonst nur an der Seitenlinie flucht.
Die Szene ist symptomatisch für diese Saison: Magdeburg gewinnt auch dann, wenn der Plan bröckelt. Die erste Halbzeit war zäh, Berlin führte 18:17, die Zweifel schwirrten durch die Halle. Dann drehte Philipp Weber auf, Gísli Þorgeir Kristjánsson jagte jeden zweiten Ball aus dem Rückraum ins Netz, und Mandic wurde zur Mauer. Die Folge: ein 8:2-Lauf, 25:20, Spiel gedreht.

Die meisterschaft liegt im eigenen handschuh
Mit fünf Spielen vor Schluss hat der SCM vier Punkte Vorsprung auf Kiel und sechs auf Berlin. Die Tabelle lügt nicht, aber sie erzählt auch nicht die ganze Wahrheit: Magdeburg hat die beste Defensive (25,1 Gegentore pro Spiel), den zweitbesten Angriff und den tiefsten Kader. Frisch Auf Göppingen wartet am Ostersonntag, danach kommt mit Lemgo noch einmal ein Playoff-Kandidat. Die Rechnung ist simpel: Zwei Siege aus den restlichen fünf Partien, und selbst Kiel kann nicht mehr vorbeiziehen.
Wiegert will den Blick nicht nach oben schweifen lassen. „Wir haben gelernt, dass Rückstände dazugehören. Die Jungs glauben an das System, auch wenn mal ein Pass ins Aus segelt.“ Diese Gelassenheit ist neu. In den Vorjahren zerbrach Magdeburg oft an eigenen Ansprüchen, jetzt wirkt der Club erwachsen. Die Bank feiert jeden Zwischenspurt mit angezogener Faust, die Tribüne singt „Wir werden deutscher Meister“, und selbst der sonst so kontrollierte Manager Marc-Henrik Schmedt tanzt nach Abpfiff mit einem Bier in der Hand durch den Mixed-Zone-Gang.
Die Liga schaut neidisch. Berlin muss nun um die direkte Champions-League-Platz bangen, Kiel hat nach der Pokal-Pleite gegen Flensburg die Köpfe hängen. Magdeburg dagegen spielt Freitagabend-Training: Lockeres Werfen, ein paar Sprünge, viel Lachen. Die Last liegt beim Gegner.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Wer in dieser Form auftritt, braucht kein Wunder mehr. Er braucht nur noch fünfmal 60 Minuten Konzentration. Dann steht Christian Schmiedels Mannschaft endlich dort, wo sie schon oft war – nur diesmal mit der Meisterschale in der Hand. Berlin ist geschlagen, der Rest der Liga auf Warnung. Die Herzschlag-Zahl 35:33 war erst der Anfang.
