Magdeburg reist mit sieg-rausch nach göppingen – wiegert warnt vor hitzeschlacht
Der SC Magdeburg landet einen Riesencoup gegen die Füchse Berlin, muss sofort weiterziehen und spürt: Göppingen will Revanche für die Hinspiel-Klatsche. Trainer Bennet Wiegert schaltet auf Warnstufe Rot.
„Ein Stein ist vom Herzen gefallen“, sagt Wiegert nach dem 31:28 gegen Berlin, doch die Erleichterung währt kaum 48 Stunden. Am Ostersonntag steht Magdeburg in der EWS Arena, wo Frisch Auf in den letzten Wochen zur Abstiegszone auf Distanz gegangen ist. „Das wird kein Osterspaziergang“, schiebt der Coach hinterher. Er kennt die Zahlen: Göppingen hat vier der letzten fünf Heimspiele gewonnen, die Defensivanteile stiegen auf 63 Prozent.
Warum göppingen plötzlich wieder funkt
Im Hinspiel lieferten sich die Schwaben noch ein Schützenfest ohne Abwehr – 25:36 lautete die Schlusszahl. Seitdem hat Trainer Markus Baur das System umgestellt, packt mit Kreisläufer Lukas Huteser eine zusätzliche Waffe in die Mitte und schaltet in Ballbesitz auf 4-2-2 um. Das Resultat: 29,4 Tore im Schnitt, nur noch 8,7 technische Fehler pro Partie. „Die spielen mit Selbstvertrauen, das spürt man im Video“, sagt Magdeburgs Co-Trainer Michael Haaß.
Magdeburg selbst läuft mit nur zwei Tagen Volltraining ins Risiko. Nach dem Freitag-Abendspiel gegen Berlin gab Sonntag frei, Montag und Dienstag hieß es: individuelle Laufeinheiten. Erst ab Donnerstag rollt wieder der Ball. „Wir müssen die Regeneration vor der Taktik setzen, sonst laufen wir der eigenen Form hinterher“, erklärt Wiegert. Die Belastungsdaten seiner Sportwissenschaftler zeigen: Die Herzfrequenz der Leistungsträger liegt noch bei 92 Prozent der Saisonspitze.

Ostern auf abstellgleis – familie bleibt zu hause
Die Spieler haben sich abgefunden, dass sie erst um 0.30 Uhr am Ostermontag zurück in Sachsen-Anhalt sind. „Festtage in der HBL sind die bestbesuchten Spiele“, sagt Kapitän Matías Hald, „aber wir sind Profis, wir wissen, dass die Punkte nicht nach Himmelfahrtsdatum fragen.“ Die Familien bleiben daheim, dafür buchen 1.200 Magdeburger Fans eine Sonderzug-Kapazität nach Baden-Württemberg. Die Lautstärke wird laut offizieller Prognose über 110 Dezibel liegen – ein Faktor, der Göppingen in der Vergangenheit aus dem Rhythmus brachte.
Personell sieht es ruhiger aus als befürchtet. Tim Hornke (leichte Oberschenkelprellung) trainierte durch, Philipp Weber (Kapselverdacht) absolvierte Sprints ohne Schmerz. Nur Gísli Thorgeir Kristjánsson fehlt weiterhin – Island meldete Rückenprobleme, ein Einsatz innerhalb der nächsten zwei Woche gilt als unrealistisch. Das Mittelblock-Duo Barrufet/Kristensen dürfte dadurch 60 Minuten durchspielen, was die Wechselfrequenz in der Deckung verringert.
Die Tabelle lügt nicht: Magdeburg liegt mit 47:7 Punkten auf Kurs Meisterschaft, Göppingen kämpft mit 24:30 Punkten gegen den Abstieg. Doch genau diese Konstellation macht den Gegner gefährlich. „Wenn du gegen den Letzten spielst, ist die Motivation auf unserer Seite, wenn du gegen den Ersten spielst, ist sie auf ihrer“, sagt Wiegert. Die Buchmacher sehen Magdeburg dennoch klar vorne: Quote 1,45 gegen 2,90 – ein Wert, der Göppingen in der Vergangenheit entfachte.
Fakten zum Spiel: Anwurf Sonntag, 18.00 Uhr, Live bei Sky und im Magdeburger Fanradio. Schiedsrichter sind Hein/Stock aus Frankfurt, die in dieser Saison 22,3 Strafminuten pro Partie verteilen – das dritthöchste Mittel der Liga. Wer gern Trends liest: Magdeburg gewann acht der letzten neun Pflichtspiele in Göppingen, das letzte Unentschieden datiert auf 2017. Doch wie Wiegert warnt: „Historie zählt nur in der Statistik, nicht auf dem Feld.“
Die Osterhasen bleiben zu Hause, dafür fliegt der Handball durch die Nacht. Magdeburg will den nächsten Schritt Richtung Meisterschaft, Göppingen den Befreiungsschlag. Wer zuerst blutet, entscheidet, ob Ostern in Sachsen-Anhalt gefeiert wird – oder in Schwaben.
