Madrid baut sich die krasseste kurve der formel 1
550 Meter Asphalt, 13,5 Grad Überhöhung, sechs Sekunden Vollgas in einer einzigen Kurve: Die La Monumental wird ab dem 13. September das neue Herzstück des Großen Preises von Spanien – und sie liegt mitten in Madrid.
Die Baucrew hat diese Woche den letzten Meter Beton verlegt. Für die 22 Piloten bedeutet das: Beim ersten Training auf dem Madring wartet die längste Kurve des gesamten Kalenders. Länger als die berüchtigte Parabolica von Monza, länger als Suzukas 130R. Und fast so steil wie die Banking-Kurve in Zandvoort, nur dass Madrids Version in einer Messehalle beginnt und auf städtischer Hauptstraße endet.
Die Rechnung dahinter ist simpel: Je länger die Kurve, desto höher die Durchschnittsgeschwindigkeit. Die FIA rechnet mit 270 km/h in der höchsten Linie, 13 Meter über dem normalen Straßenniveau. Wer dort unten ausschert, riskiert nicht nur Abtrieb, sondern auch den nächsten Reifenwechsel. Denn die 13,5 Grad Neigung wirken wie ein riesiger Schleuderkorb: Reifen, die sich auf der Innenseite abnutzen, sind nach zehn Runden Schrott.

Barcelona ist geschichte – madrid übernimmt
Der Kurs verdrängt Barcelona-Catalunya aus dem Jahresrhythmus. Statt jedes Jahr bekommt der Klassiker ab 2025 nur noch ein Gastspiel. Dafür bekommt Madrid einen Stadtkurs, der sich in die Topografie der Stadt fräst: Start und Ziel liegen auf der Paseo de la Castellana, die Boxengasse erstreckt sich über die Ausstellungsfläche der Feria de Madrid. Und die La Monumental selbst? Die schlingt sich um das IFEMA-Gelände wie eine asphaltierte Achterbahn.
Für die Teams bedeutet das: Setup-Arbeit von null. Kein Simulator kann die exakte Neigung modellieren, keine Windkanal-Skizze berücksichtigt den abrupten Gefällewechsel nach dem Kurvenausgang. Die ersten Fahrer, die dort testen dürfen, werden nicht die Piloten sein, sondern die Ingenieure – mit Laser-Messgeräten und einem Notarzt neben dem Streckenposten.
Die Zahlen klingen harmlos: 5,47 Kilometer Gesamtlänge, 20 Kurven, erwartete Rundenzeit 1:22 Minuten. Doch die entscheidenden sechs Sekunden in der La Monumental werden über Sieg und Niederlage entscheiden. Wer früh Gas gibt, spart ein DRS-Segment auf der folgenden Geraden. Wer zögert, landet im Verkehr der Hintermänner.
Madrid hat sich einen Prestige-Coup erkauft: acht von 22 Rennen 2025 finden auf Stadtkursen statt, mehr als je zuvor. Die Rechnung zahlen die Fans mit höheren Ticketpreisen und längeren Anreisewegen. Die Teams bezahlen mit Frachtkosten für zusätzliche Chassis-Tests. Und die Fahrer? Die bezahlen mit Schweiß. Denn wer in der La Monumental einen Millimeter zu hoch fährt, fliegt buchstäblich aus der Kurve – und landet in den Statistiken als erstes Opfer einer Kurve, die noch kein Mensch mit Rennspeed befahren hat.
