Lustrinelli übernimmt: union berlin setzt auf neuen trainer
Berlin atmet auf – zumindest vorerst. Union Berlin hat Mauro Lustrinelli als neuen Cheftrainer vorgestellt, und damit ein Signal an die Liga gesendet: Es soll frischer Wind wehen an der Köpenicker Straße. Der Umbruch nach der Entlassung von Steffen Baumgart ist offiziell vollzogen, und die Erwartungen sind – wie immer in Berlin – hoch.

Ein schweizer in köpenick: die erinnerungen sind wach
Der Name Lustrinelli weckt zwangsläufig Assoziationen. Schließlich ist er nicht der erste Schweizer, der in Köpenick sein Glück sucht. Doch der 50-Jährige betonte bei seiner Vorstellung, dass er seine eigene Geschichte schreiben will. „Ich habe noch nicht mit Urs geredet“, erklärte er, in Anspielung auf den vorherigen Erfolgstrainer Urs Fischer. „Ich wollte hierherkommen, ohne zu viel zu wissen, das Ganze fühlen.“ Die kurze Zusammenarbeit mit Fischer beim FC Thun vor über einem Jahrzehnt scheint ihn geprägt zu haben, aber er blickt nach vorne.
Die Erwartungshaltung, ein Nachfolger des legendären Fischer zu werden, scheint Lustrinelli nicht zu belasten. „Druck macht man sich selbst“, sagte er selbstbewusst. „Es kommt darauf an, was man sehen möchte. Ich genieße die Reise und betrachte es als Herausforderung.“ Ein Vergleich mit Fischer ist für ihn tabu, stattdessen will er den Moment leben und das Team verbessern.
Die Chemie zwischen Lustrinelli und den Verantwortlichen des Vereins schien von Beginn an zu stimmen. „Die ersten drei Stunden, als wir uns mit Horst Heldt und Dirk Zingler getroffen haben, haben wir nicht über Fußball gesprochen“, verriet der neue Coach. „Wir haben über das Leben und über Menschen gesprochen.“ Heldt bestätigte diese Einschätzung: „Man entwickelt da gleich ein Gefühl füreinander. Das war so eine Aura, die Mauro verkörpert.“
Sein überraschende Meisterschaft mit dem FC Thun im vergangenen Jahr zeigt, dass Lustrinelli weiß, wie man ein Team zu Höchstleistungen führt. Bei Union soll er nun die Spielphilosophie verändern. Der pragmatische Defensivstil mit langen Bällen und Standards soll einer moderneren, offensiveren Ausrichtung weichen. „Als Trainer verlange ich viel, weil ich auch viel von mir selbst verlange“, so Lustrinelli. „Ich verlange nur das Beste und eine Siegermentalität – den unbedingten Willen, besser zu werden.“
Marie-Louise Eta hatte in ihrer Interimsfunktion das rettende Ufer erreicht, doch nun soll unter Lustrinelli eine nachhaltige Entwicklung stattfinden. Der Verein soll für die Ablösesumme von rund einer Million Euro aus Thun verpflichtet worden sein – ein Zeichen des Vertrauens in seine Fähigkeiten. Die Aufgabe ist klar: Union Berlin soll wieder attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen.
Es bleibt abzuwarten, ob Lustrinelli in der Lage sein wird, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Doch eines ist sicher: Mit seiner Persönlichkeit und seiner klaren Vision hat er bereits jetzt einen positiven Eindruck hinterlassen. Die Fans in Köpenick dürfen gespannt sein, wie sich die neue Ära unter dem Schweizer Trainer entwickelt.
