Luis de la fuente zieht schon jetzt die wm-karte – und verschont dabei niemanden

La Cerámica, Villarreal. 20:47 Uhr. Luis de la Fuente betritt die Pressekabine, zieht den Stuhl nicht einmal ganz heran und beginnt mit dem Satz, der die nächste Stunde dominiert: „Señores, wir spielen bereits WM.“ Dahinter verbirgt sich kein Slogan, sondern ein Rundumschlag gegen jede Bequemlichkeit, die sich vor dem Turnier noch einschleichen könnte.

Carolina marín zuerst, dann blitzschnell die innenverteidigung

Bevor er über Joan García, Rodri oder Lamine Yamal spricht, gedenkt der Coach Carolina Marín. Badmintonsuperstar, drei WM-Titel, ein Kreuzband-Desaster – und trotzdem Vorbild. „Sie verkörpert die DNA des spanischen Sports“, sagt de la Fuente. Mit dieser Geste setzt er die Latente für alle, die danach folgen: Hier zählt nur Vollgas.

Bei den Innenverteidigern verweigert er sich der Jammerei. „Wir haben eine volle Generation junger Spieler, die jederzeit springen kann“, betont er und schiebt Robin Le Normand bewusst in die zweite Reihe. „Ich nehme niemanden mit, weil er gerade fit ist. Ich nehme mit, wer bereit ist, zwei 120-Minuten-Spiele in vier Tagen zu rocken.“ Die Tür zur Endliste steht zwar offen, doch die Uhr tickt laut: „In zwei Monaten schlage ich den Deckel zu.“

Vier torhüter auf weltklasse-niveau – nur einer steht im kasten

Vier torhüter auf weltklasse-niveau – nur einer steht im kasten

Spanien reist mit Unai Simón, David Raya, Robert Sánchez und dem 22-jährigen Joan García. Eine Position, an der sich Luxus und Frust berühren. De la Fuente schmunzelt: „Wir könnten eine Top-Ten-Liste der besten Keeper der Welt schreiben und vier davon stünden bei uns auf dem Flur.“ Dennoch will er gegen Serbien sehen, wie García mit der Anspannung umgeht. „Er bekommt keine Testminute, er bekommt WM-Minuten.“

Rodri und zubimendi: doppel-sechs ohne riemann

Rodri und zubimendi: doppel-sechs ohne riemann

Gefragt, ob Rodri und Martín Zubimendi nebeneinander funktionieren, lacht der Coach halblaut. „Natürlich. Schaut euch an, was Zubimendi neben Declan Rice in Arsenal macht – er verteidigt auf Raum, nicht auf Position.“ De la Fuente schlägt damit die klassische Trennung zwischen Sechs und Acht in Stücke. Stattdessen fordert er „intelligenten Ballfluss“: Wer denkt, müsse nur reingrätschen, verpasst die Busfahrt nach Katar.

Lamine yamal: 16 jahre, aber kein museumsexponat

Den Teenager will er weder einzäunen noch verheizen. „Wir schützen ihn, indem wir ihn fordern“, sagt de la Fuente. Yamal wird gegen Serbien Startelf-Minuten erhalten – „nicht 90, aber auch nicht 10“. Der Coach zückt sein Handy, zeigt die GPS-Werte der Woche: „Sprint 34,2 km/h, Dauerlauf 10,1 km. Die Zahlen kennen seine Eltern, der Klub und der Spieler. Entscheidend ist, dass er Spanien repräsentiert, nicht die U17.“

Rodrigo und gavi: verletzungen als turbo

Rodrigo’s Muskelfaserriss habe „eine zusätzliche Reifeverschiebung“ bewirkt, erklärt de la Fuente. „Er kommt als 2.0-Versionzurück.“ Bei Gavi hört man die Vorfreude bis in den Presseraum. „Er ist unser Spezialist für Unmögliches. Wenn er in zwei Monaten seine Intensität erreicht, haben wir eine weitere Waffe.“ Knapp 60 Tage bleiben dem Mittelfeld-Terrier, um die medizinische Freigabe zu erhaschen – und den Coach zu überzeugen.

Die letzte botschaft: „wir sind nicht mehr gastgeber, wir sind jäger“

De la Fuente beendet die Runde, wie er begann – mit erhobener Stimme. „Montag beginnt für uns die WM. Nicht in München, nicht in Katar, sondern hier im Training.“ Dabei wirkt er weniger wie ein Chef, der verteilt, sondern wie ein Glücksritter, der weiß: Das Turnier ist kein Schicksal, sondern eine Serie von 270 Minuten, in denen Spanien sich neu erfinden muss. Die Uhr steht auf Stoppzeit. Und er hat den ersten Pass bereits gespielt.