Lugano fliegt raus, doch die revanche läuft schon

0:4 – die Zahlen brennen ins Augen, doch im Tessin klopfen sie nicht demütig ab, sie feiern. Der HC Lugano liegt am Boden, die ZSC Lions trampeln weiter Richtung Titel, und trotzdem hallte gestern Abend „Danke, Jungs!“ durch die Cornèr Arena. Ein Sweep? Ja. Eine Blamage? Nein.

Ein jahr nach dem playout-griff in die retorte steht der stolzclub wieder oben

Vor zwölf Monaten rettete Janick Steinmann den HCL im Feuerwehr-Modus vor dem Abstieg. Heute spricht er von „einem Reset, der weit über die Saison hinaus wirkt“. 23 Punkte mehr als 2023/24, 40 Gegentore weniger, Platz 5 nach der Quali – das sind keine Zufallssprünge, das ist ein Spiegelbild hinter verschlossenen Kabinentüren.

Tomas Mitell, der schwedische Neue, ließ die Defensive dicht wie einen Felsvorsprung über dem Lago. Sein Credo: „Wir wollten jeden Tag eine neue Null erfinden.“ Die Null kam, der Angruck aber auch. Denn wer die Partien gegen Zürich neu sieht, entdeckt: Lugano war nicht unterlegen, nur unbedarft im Finish.

Die lions bestraften jede unachtsamkeit – und lehrten lugano das nackte gesetz der effizienz

Die lions bestraften jede unachtsamkeit – und lehrten lugano das nackte gesetz der effizienz

Spiel 2, Mitte des dritten Drittels: Bianconeri-Kapitan Dario Simion stürmt allein auf Goalie Genoni zu, verzieht um Zentimeter. Sekunden später tickt es im anderen Dreieck – 2:0. „Das ist die Liga in Reinform“, sagt Steinmann, „ein Tor pro halbe Chance.“

MySports-Experte Uli Schwarz formuliert es rauer: „Lugano hat gelernt, was Playoff-Hockey ist. Nächstes Jahr wissen sie, dass geduldige Aggression zählt, nicht nur Ballern.“

Der nächste kader wird kleinere fehler verzeihen – und vielleicht einen neuen snipper haben

Der nächste kader wird kleinere fehler verzeihen – und vielleicht einen neuen snipper haben

Die Exit-Meetings laufen, die Clips laufen auf Endlosschleife. Steinmann sitzt mit Scouting-Chef Sandro Bertaggia in der Videoküche, stoppt jeden Fehlpass. Externe Berater sondieren den Markt: Ein Linksschützen mit First-Shot-Qualität steht oben auf dem Zettel, dazu ein erfahrener Center für die doppelte Penalty-Kill-Option.

Die Kasse stimmt. Die neue Catering-Partnerschaft mit der Lugano-Food-Gruppe spült zusätzliche 1,5 Millionen in die Kasse, genug, um sich in einem Sommer zu vergrößern, ohne die Seele zu verkaufen.

Resümee: feuer statt feuerwehr

Resümee: feuer statt feuerwehr

Die Fans sangen gestern „Ritornerà la neve“ – Der Schnee wird wiederkommen. Gemeint ist nicht der Winter, gemeint ist das Gefühl von 2020, als Lugano im Final stand. Der Sweep tut weh, aber er brennt wie ein Katalysator. Wer sich vom 0:4 nicht entmutigen lässt, der ist bereit für das 4:0 der Zukunft. Tessiner Temperatur eben: schnell heiß, schnell kalt, immer leidenschaftlich. Der HC Lugano ist zurück – und diesmal hat niemand eine Löschdecke dabei.