Lucrezia borgia: neue interpretationen einer umstrittenen renaissance-figur

Die Geschichte von Lucrezia Borgia ist so voller Intrigen, Giftanschuldigungen und familiärer Dramen, dass sie seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beflügelt. Alberto Angela taucht in seiner neuesten Sendung „Ulisse – Il Piacere della Scoperta“ tief in das Leben dieser faszinierenden und verfemten Frau ein und präsentiert überraschende neue Perspektiven.

Jenseits des mythos der giftmischerin

Jenseits des mythos der giftmischerin

Nach dem Erfolg der Japan-Folge, die 2,6 Millionen Zuschauer und einen Share von 17,4 % erreichte, kehrt Alberto Angela am 18. Mai zurück und widmet sich einer der umstrittensten Frauen der italienischen Renaissance. Lucrezia Borgia, die Tochter des Papstes Alexander VI. und Schwester von Cesare Borgia, wurde in der Vergangenheit oft als skrupellose Intrinkünstlerin und Giftmischerin dargestellt. Doch Angela stellt diese traditionelle Sichtweise in Frage und beleuchtet die komplexen Umstände und politischen Zwänge, denen Lucrezia ausgesetzt war.

Die Reise beginnt in Subiaco, dem Geburtsort Lucrezias im Jahr 1480, und führt über bedeutende Orte ihrer Lebensreise: das Castello di Nepi, ihr Zufluchtsort in schwierigen Zeiten, die Rocca di Gradara, das Palazzo Farnese in Caprarola, Castel Sant’Angelo und das Palazzo Ducale in Ferrara, wo sie schließlich im Jahr 1519 verstarb. Angela untersucht, inwieweit die gegen sie erhobenen Anschuldigungen auf familiäre Fehden und politische Machenschaften zurückzuführen waren – ein Versuch, ihren Vater, Papst Alexander VI., zu diskreditieren.

Was niemand so recht sagen wollte: Lucrezia Borgia war mehr als nur eine Marionette in den Händen ihrer Familie. Es zeigt sich, dass die düstere Aura, die sie umgab, im 19. Jahrhundert durch Dramen von Victor Hugo und Alexandre Dumas sowie einer Oper von Gaetano Donizetti noch verstärkt wurde. Angela enthüllt, wie Lucrezia nach ihrer Heirat mit dem Herzog von Ferrara ein neues Kapitel aufschlug. Sie erwies sich als geschickte Unternehmerin, fähige Verwalterin und Förderin der Künste und Literatur, ein Gesicht, das lange im Schatten der Vorwürfe verborgen lag.

Die einst als Spielball in politischen Ränkespielen missbrauchte Lucrezia Borgia erlangte tatsächlich die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal. Sie wurde zu einer mächtigen und einflussreichen Frau, die ihr Umfeld prägte und die Geschichte ihrer Familie neu schrieb. Eine Frau, deren Geschichte weit über die simplen Klischees hinausgeht und die uns dazu anregt, die Vergangenheit kritisch zu hinterfragen.