Lückenkemper krönt dortmund: dm-finale mit 14 entscheidungen

Der dritte Tag der Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund hat geliefert, was man sich erhofft hatte – und dann noch etwas mehr. Gina Lückenkemper setzte den letzten Glanzpunkt: Mit dem SCC Berlin gewann sie die 4x200-Meter-Staffel in 1:35,11 Minuten und ließ Bayer Leverkusen sowie Munich Athletics mit über sechs Zehnteln Rückstand stehen. Ein Schlussbild, das passt. Dortmund war drei Tage lang das Zentrum der deutschen Leichtathletik – und es hat sich gelohnt.

Mihambo kämpft, gewinnt, macht geschichte

Malaika Mihambo brauchte Zeit. Drei Versuche lang sah es nicht nach dem neunten Hallen-Titel in Folge aus. Dann, im vierten Sprung: 6,57 Meter, Saisonbestleistung, Meistertitel. Die 32-Jährige ist schlicht ein Phänomen dieser Disziplin. Libby Buder wurde mit 6,41 Metern Zweite – ausgerechnet jene Athletin, die in dieser Saison schon einen Zentimeter weiter als Mihambo gesprungen war. In Dortmund reichte das nicht.

Stepanov explodiert auf 800 metern

Stepanov explodiert auf 800 metern

Wer Alexander Stepanov beim 800-Meter-Lauf beobachtete, sah einen Mann, der das Rennen von der ersten Kurve an für sich entschieden hatte. Der 21-Jährige lief in 1:45,89 Minuten eine persönliche Bestleistung und knackte dabei die WM-Norm für Torun. Rocco Martin (1:48,14) und Tim Holzapfel (1:48,64) liefen hinterher wie in einer anderen Veranstaltung. Bei den Frauen gab es die Überraschung des Tages: Tanja Spill überholte Favoritin Smilla Kolbe auf den letzten 100 Metern noch – ausgerechnet an deren 24. Geburtstag.

Wendrich und der hochsprung-pflichttermin

Wendrich und der hochsprung-pflichttermin

Falk Wendrich war der einzige Teilnehmer im Hochsprung-Feld mit Weiten über 2,20 Meter. Entsprechend vorhersehbar war der Ausgang. Der 30-Jährige gewann mit 2,14 Metern, legte dann aber noch 2,19 Meter obendrauf – weil er es konnte. Marlon Gräfe und Niklas von Zitzewitz teilten sich mit je 2,10 Metern und gleicher Fehlversuchszahl Silber.

Osazee macht eine rolle vorwärts – und das war berechtigt

Osazee macht eine rolle vorwärts – und das war berechtigt

Wenn ein 19-Jähriger seinen letzten Sprung abbricht und stattdessen eine Rolle vorwärts in der Sandgrube macht, dann hat er vorher etwas getan, das das erlaubt. Peter Osazee sprang im Dreisprung mit seinem ersten Versuch 15,80 Meter – 35 Zentimeter weiter als seine bisherige persönliche Bestleistung. Mohammed Amin Alsalami (15,78 Meter) kam noch am nächsten heran, aber das war Statistik. Der Wettkampf war nach Versuch eins gelaufen.

Otchere pokert – und gewinnt

Otchere pokert – und gewinnt

Im Stabhochsprung der Frauen wurde es dramatisch. Jacqueline Otchere ließ die 4,50 Meter aus, scheiterte zweimal an 4,55 Metern – und schaffte sie im dritten Versuch. Anjuli Knäsche, die 4,50 Meter übersprungen hatte, wartete auf den dritten Fehlversuch ihrer Konkurrentin. Er kam nicht. Otchere ist Meisterin, Knäsche hat Silber. Moana-Lou Kleiner holte Bronze mit 4,40 Metern.

Martin, bredau und die pflichtsiege über 400 meter

Martin, bredau und die pflichtsiege über 400 meter

Johanna Martin ist 19 Jahre alt und hat jetzt dreimal in Folge den 400-Meter-Titel gewonnen. Im Vorlauf war sie erstmals unter 52 Sekunden geblieben (51,92), im Finale setzte sie sich in 52,09 Sekunden knapp gegen Skadi Schier (52,26 – persönliche Bestleistung) durch. Bei den Männern war Jean Paul Bredau in 46,21 Sekunden eine Klasse für sich. Fabian Dammermann (46,60) und Thorben Finke (47,15) komplettierten das Podium.

Kolberg und probst dominieren die 1500 meter

Kolberg und probst dominieren die 1500 meter

Das erwartete Duell bei den Frauen über 1500 Meter gab es nicht – Nele Weßel hatte nach ihrem Titel über 3000 Meter ihren Start abgesagt. Aber Maitje Kolberg sorgte trotzdem für einen der emotionalsten Momente des Wochenendes. Sie lief in 4:20,47 Minuten ins Ziel, Adia Budde (4:21,01) und Vera Coutellier (4:21,87) folgten in einem packenden Finish. Bei den Männern dominierte Marius Probst von der ersten bis zur letzten Runde: 3:38,90 Minuten, achter Hallentitel, sechster über 1500 Meter. Karl Bebendorf, als Fünfter in 3:43,90 Minuten, war eine klare Enttäuschung.

Drei Tage, 14 Entscheidungen, eine Stadt: Dortmund hat der deutschen Leichtathletik einen Saisonhöhepunkt geschenkt, der in mehrfacher Hinsicht in die Geschichtsbücher eingeht. Mihambos neunte Hallen-Krone, Osazees Ausrufezeichen im Dreisprung, Stepanovs WM-Ticket – und Lückenkemper, die am Ende noch einmal die Halle zum Kochen brachte. Das war kein Pflichtprogramm. Das war Leichtathletik.