Lucas coenen: der 18-jährige, der die mxgp-elite ärgert
Als Lucas Coenen in der Schweiz die Zielflagge schwenkte, war er 18 Jahre, 5 Monate und 12 Tage alt – jüngster Grand-Prix-Sieger der MXGP-Geschichte. Die Konkurrenz schaute blinzelnd auf: Der Rookie kam, sah und schlug sie mit einem KTM-450, der nach Sieg schmeckte.
Warum 2025 nur der anfang war
Der Belgier fuhr mit gebrochenem Schlüsselbein in den Saisonauftakt, stand trotzdem am Ende auf Platz zwei der Weltmeisterschaft. «Viele dachten, ich würde nur hübsch aussehen und nach Hause fahren», sagt er, während er in Almenno San Bartolomeo einen Airoh-Heli auf den Tisch legt – leise, fast filigran. «Ich wollte beweisen, dass ich auch in der Königsklasse gewinnen kann.» Das tat er, gleich dreimal. Die Niederlagen gegen Gajser und Herlings nahm er als Lehrgeld, nicht als Makel.
Coenen verrät, dass er sich im Winter bewusst verlangsamt hat. Statt Druck schöpft er jetzt Energie aus kleinen Siegen: eine perfekte Startphase, ein sauberer Zweikampf, ein ruhiger Atem hinter der Roll-off-Scheibe. «Früher wollte ich jede Runde rennen. Heute weiß ich: Wer nach zehn Minuten noch schnell ist, gewinnt nach 30 Minuten auch.»
Zwilling sacha und die 93, die er nicht tragen darf
Im Fahrerlager steht ein zweiter Coenen: Sacha, sein Zwillingsbruder, wechselt 2026 in die MX2, also dieselbe Boxenecke, nur andere Tassengröße. «Wir teilen Daten, aber nicht den Rasen», lacht Lucas. «Wenn einer stürzt, lacht der andere – und baut sofort das Bike für ihn auf.» Die Rivalität bleibt, klingt aber nach Bruderschaft statt nach Beißreflex.
Die Nummer 93 trägt er nicht mehr, weil die MXGP sie für Marc Márquez reserviert hat. «Ich habe ihn trotzdem auf eine Runde eingeladen – und er kam», erzählt Coenen. «Wir sind über Sandwhoops geflogen, und er war sofort schnell. Ich fühlte mich wieder wie ein Kind, das seinen Helden trifft.»

Panda, podest, perfektion
Abseits der Strecke fährt er einen italienischen Klassiker: Fiat Panda 4×4, Bj. 1986, lackiert wie ein MX2-Bike. «Sie rattert, stinkt und hat 60 PS – und genau das liebe ich. Wenn ich mit ihr zum Training fahre, glaube ich, dass ich noch schneller bin, weil ich mich erinnere, warum ich angefangen habe: Spaß.»
Coenen will mehr als Spaß. Er will Statistiken einreißen. «Zweimal Zweiter reicht mir nicht. Ich will der Beste aller Zeiten werden. Und ich habe Zeit – aber keine Lust zu warten.» Die Saison 2026 beginnt in Februar in Argentina. Dort will er nicht mehr der Jüngste sein, sondern der Schnellste. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.
