Löw stellt nagelsmann-plan infrage: kimmich rechts? „weltklasse, aber.“
Joachim Löw hat Julian Nagelsmann die Richtung vorgezeichnet – und sie gleich wieder relativiert. Joshua Kimmich spielt „auf Weltklasse-Niveau“ rechts wie in der Mitte, doch der Weltmeister-Coach würde ihn ausgerechnet dort aufstellen, wo der Bundestrainer ohnehin schon baut: als Rechtsverteidiger.
Die lahm-parallele, die niemand braucht
Löw selbst erlebte 2014, wie schnell ein Plan platzen kann. Philipp Lahm sollte im Zentrum die Kanzel übernehmen, landete im Turnierverlauf doch außen. „Damals hatten wir keine Alternative“, erinnert sich Löw. „Heute haben wir im Mittelfeld Goretzka, Andrich, Gravenberch – das Niveau reicht.“ Die Botschaft: Kimmich rechts ist kehrtwärts, sondern logisch. Die Frage ist nur: Wer übernimmt dann das Kommando in der Box-to-Box-Zone?
Bayern-Intern beobachten sie die Debatte mit einem müden Lächeln. Dort läuft Kimmich seit zwölf Monaten fast durchgehend als „Sechser“, seine Quote an Ballgewinnen und Vorstößen ist so hoch wie nie. Nagelsmann will ihn trotzdem an die Seitenlinie verfrachten, weil Henrichs und Wolf nicht überzeugen und Kehrer Formprobleme hat. Löw unterschreibt: „Bei den Rechtsverteidigern tun wir uns schwer.“ Klingt nach Lösung, ist aber ein Eingeständnis.

Goretzka als sicherheitsgurt – statistik lügt nicht
Leon Goretzka darf mitfahren, obwohl er bei Bayern nur 684 Minuten in dieser Saison sammelte. Löw sieht die Zahlen und trotzdem kein Problem: „Auf Leon ist Verlass. Er bringt Stabilität, Erfahrung, eine klare Rollenverteilung.“ Faktisch war Goretzka in der Quali gesetzt: fünf Startelf-Einsätze, sechs Teilnahmen, 87 %-Passquote. Die Testspiele gegen die Schweiz und Ghana gelten als Endprüfung – wer hier patzt, fliegt.
Auch Aleksandar Pavlović muss zuschauen. Der 19-jährige Bayern-Youngster fehlt verletzt, wäre sonst die wild card. Löw aber verweist auf Goretzkas Kopfballstärke und Zweikampfquote: „Gerade in der Gruppenphase, wenn es ruppig wird, brauchst du Spieler, die auch mal eine Flanke wegköpfen.“

Die kehrtwende steht bevor
Am 11. Juni in New York eröffnet Deutschland gegen Mexiko. Bis dahin muss Nagelsmann drei Fragen lösen: Wer spielt rechts? Wer rückt in die Mitte? Und wie kommt Kimmich darin vor? Löws Antwort: „Joshua kann beides – aber er kann nicht alles auf einmal.“ Das klingt nach Freiheitsgrad, ist in Wahrrenheit ein Druckmittel. Wenn Kimmich rechts spielt, muss jemand anders die Führung übernehmen. Goretzka, Andrich oder vielleicht ein vertauschtes System mit drei statt zwei Mittelfeldspielern.
Die letzte Entscheidung fällt am 1. Juni, wenn der endgültige 26-Mann-Kader abgegeben wird. Bis dahin wird Löw weiter beraten – und Kimmich weiter beobachten. Denn wer sich selbst auf Weltklause-Niveau sieht, braucht keine Halb-Lösung. Er braucht eine klare Position. Oder er bekommt zwei.
