Lorenzo bricht kuschelkurs: kolumbien kassiert reality-check vor wm

Ein 1:3 gegen Frankreich, zwei Niederlagen in Folge – und plötzlich knallt Néstor Lorenzo in der Kabine mit der Tür. Die bislang geschützte WM-Generalprobe Kolumbiens endet im Turbulenzbereich, der Trainer verlangt Selbstkritik statt Sonntagsreden.

Lorenzo feuert 15-minuten-tirade nach frankreich-debakel

Northwest Stadium, Maryland. Noch ehe Lorenzo vor die Mikrofone tritt, schickt er die Presse raus und die Spieler aufs Glatteis. Zeuge Fabio Poveda berichtet von einer Ansage, die zwischen den Wänden des Kolumbianer-Umkleideraums noch länger nachhallt als die drei Gegentore: „Die Selbstkritik dürfe nicht nur vom Stab kommen, jeder müsse sich seine Fehler allein vorwerfen. Video anschauen, eigene Patzer benennen – sonst gibt’s kein WM-Ticket."

Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: Doué und Thuram tanken sich durch die zentrale Abwehraxis wie durch ein offenes Tor, Campaz’ Anschlusstreffer kommt zu spät. Die Statistik liefert das erste krasse Plus an Ballverlusten seit 14 Monaten, die Laufleistung sackt um 7 % gegen Ende der ersten Hälfte ab. Lorenzo sieht kein Systemproblem, sondern Einzelversagen – und meldet sich mit öffentlichem Donnerschlag zurück.

„Wir wussten, dass wir zwei Stufen unter Frankreich stehen", sagt er nach Außen, doch der Ton klingt wie ein Schulverweis. Dabei hatte der Argentinier bisher den guten Onkel gespielt: Siegesserie, Unbesiegbarkeit, Lobhudelei. Jetzt verlangt er Session statt Selbstzufriedenheit, und das nur 180 Tage vor dem WM-Auftakt in Guadalajara.

Termindichte vor der endrunde: drei tests, null toleranz

Termindichte vor der endrunde: drei tests, null toleranz

Die Lernkurve muss steil nach oben. Die Auswahlfolge: Medellín-Lehrgang, Abschiedsspiel gegen Costa Rica im Estadio El Campín, letzter Check gegen Jordanien, dann Flug in die mexikanische Basis. Wer bis dahen nicht in der Lage ist, sich die eigenen Fehler im Video anzusehen, fliegt raus aus dem Kader – so lautet die neue Marschroute. Lorenzo hat die Friedenspfeife beiseitegelegt. Der Honeymoon ist vorbei, jetzt zählt nur noch die harte WM-Währung.