Liverpool zahlt 69 millionen für spieler, der sich weinend die schulter hält

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Es ist der 7. Februar, 69. Minute, Stade Bollaert-Delelis. Jérémy Jacquet liegt auf dem Rasen, seine linken Rasta-Zöpfe klatschen gegen den grünen Teppich, während er sich die Schulter greift. Drei Tage später unterschreibt der FC Liverpool einen Scheck über 63 Millionen Euro – plus sechs Millionen Bonus – für genau diesen Schmerz. Die Ironie des Fußballs: Eine Schulter kann mehr wert sein als ein Bein.

Der moment, in dem 69 millionen weinten

Die Bilder gingen um die Welt. Jacquet, 1,90 m, 88 kg, wird von zwei Physios gestützt, der Arm in 90 Grad gehalten, das Gesicht zur Fratze verzogen. RC Lens führt 3:1, Rennes kassiert die Klatsche – und trotzdem redet Europa nur über den Jungen, der gerade seinen Körper verkauft hat, ohne ihn zu benutzen. Mediziner vermuten eine Luxation, kein Riss, aber genug, um die Ärzte von Melwood in Alarmstimmung zu versetzen. „Wir haben ihn trotzdem festgezurrt“, sagt ein Liverpool-Insider, „weil wir wussten: Warten wir, kostet er nächste Woche 80.“

Die Ablöse spült 48 Millionen in die Kasse von Rennes, 15 Millionen kassiert der Berater, der Rest verteilt sich auf Nebenkosten, die der Klub lieber nicht aufführt. Für die Franzosen ist es der zweite Jackpot innerhalb von drei Jahren – 2023 schon einmal 60 Millionen für Jérémy Doku. Die Akademie in Ker Lann ist zum Geldautomaten mutiert.

Bayern schaute, chelsea zögerte – liverpool schlug zu

Bayern schaute, chelsea zögerte – liverpool schlug zu

Thomas Tuchel telefonierte noch am Deadline-Day mit Jacquets Umwelt, wollte wissen, ob ein Sommer-Wechsel realistisch ist. Die Antwort: nur, wenn ihr jetzt zahlt. Chelsea lud den Spieler zum Abendessen ein, ließ ihn mit Enzo Fernández tanzen, zog dann aber die Kreditkarte zurück. Klopp dagegen schickte ein dreiminütiges Video: Van Dijk erklärt ihm die räumliche Staffelung, Alexander-Arnold schickt Diagonalbälter direkt auf seine Brust. Jacquets Antwort war ein Nicken, dann ein Handschlag – und eine Schulter, die prompt kapitulierte.

Der Plan: Er bleibt bis Juli in Rennes, arbeitet mit Reha-Coach Dr. Cyril Dupont, fliegt im Mai nach Liverpool, um sein künftiges Zuhause kennenzulernen. Premier-League-Premiere frühestens August, vorausgesetzt, die Schulter will mitspielen. Die Mediziner geben sich optimistisch: „Luxationen sind bei 20-Jährigen kein Karriereknick, eher ein Schrecken ohne Nachspielzeit.“

Vom clermont-abstieg zum van-dijk-erben

Vergessen ist der Fehlstart. 2022 leiht Rennes ihn nach Clermont, er spielt 90 Minuten, Clermont stiegt ab. Die Statistik nennt ihn Mitschuldiger, YouTube-Kommentare sprechen von „Fluch“. Jacquet antwortet in der Ligue 2 mit 15 Vollgas-Einsätzen, zwei Toren, einer Vorlage und einem Body-Check gegen Valenciennes, der auf TikTok drei Millionen Klicks sammelt. „Ich bin kein Abwehrspieler, der verteidigt“, sagt er damals, „ich bin einer, der Angreifer verschwinden lässt.“

Die Zahlen bestätigen den Trash-Talk: 78 Prozent Zweikampfquote, 4,2 Balleroberungen pro Spiel, 11,3 km Laufleistung – bei 1,90 m Körpergröße. In Rennes nennt man das „la fermeture éclair“, den Reißverschluss: Er kommt, er rast, er verschlingt.

Jetzt wartet Anfield. Die Fans haben schon ein Lied, gesungen auf die Melodie von „Whole of the Moon“: „I saw the boy from Rennes, close down the space, shoulder out of place, Jacquet takes the pain away.“ Die Schulter wird heilen, der Preis bleibt. 69 Millionen für einen 20-Jährigen, der sich einmal weinend die Schulter hielt – und danach die Welt im Nacken.