Italienischer fußball: ein verklärter rückblick oder neubeginn?

Die Bilder von PSG gegen Bayern München hallen noch nach, ein Spektakel, das an die prunkvollen Säle eines Louvre erinnerte. Doch während die Fußballwelt staunend zusah, nagt eine unbehagliche Erkenntnis am italienischen Fußball: Haben wir uns in einem Museum der Vergangenheit eingerichtet, während der Rest der Welt den Sport neu erfindet? Ein Kommentar von Stefan Fischer.

Die illusion des talents: mehr als olise und kvara

Die illusion des talents: mehr als olise und kvara

Die Ausreden kennen wir alle: „Sie haben Olise und Kvara!“ Als ob Talent allein ausreicht, um den Abgrund zu überwinden, in den unser Fußball immer tiefer stürzt. Kompany und Luis Enrique, Trainer mit Weitblick, sahen im PSG-Bayern-Spiel nicht nur eine Partie, sondern ein Manifest. Sie lobten das Spektakel, die Intensität, den unbändigen Willen – Werte, die in unserer Liga allzu oft zu kurz kommen. Während wir uns über Schiedsrichterentscheidungen und taktische Finessen streiten, feiern im Ausland das Spiel selbst.

Die Aussage, dass man sich zum Vergnügen ins Zirkuszelt begeben solle, ist ein trauriges Zeugnis unserer Selbstüberschätzung. Luis Enrique verspricht ein schöneres Rückspiel, ein Versprechen, das wir mit aller Kraft unterstützen müssen. Denn es geht um mehr als nur um den Sieg; es geht um die Rückgewinnung der Freude am Fußball, um die Schaffung von Arenen, die nicht nur Stadien, sondern auch Kunstwerke sind – wie Gaspard in Bergamo und Cesc in Como bewiesen haben.

Die Wahrheit ist schmerzhaft: Ein italienisches Team hätte nicht nur zwei, sondern deutlich mehr Tore in Paris kassiert. Die Euphorie über die Offensive von PSG, die Kinderaugen, die sich für das Spiel begeistern – das ist die Leidenschaft, die wir zurückerobern müssen. Nicht durch den Rückkehr zum Weltmeistertitel, sondern durch die Erzeugung von Momenten der Schönheit, die uns in Staunen versetzen. Ein Stendhal-Syndrom in unseren Stadien – das wäre der wahre Triumph.

Die Lehre daraus ist klar: Wir müssen die Verantwortung für das Vergnügen zurückgewinnen und unsere Stadien in Museen der Schönheit verwandeln. Der italienische Fußball muss sich wieder daran erinnern, dass es nicht nur um den Sieg geht, sondern um das Spiel selbst, um die Kunst, die darin steckt. Dann und nur dann werden wir wieder groß sein.