Lipowitz zwingt vingegaard zum zittern – deutsches podest in katalonien so nah wie nie
Florian Lipowitz hat die 101. Volta a Catalunya geschockt. Der Ulmer fuhr auf der sechsten Etappe nach Queralt das deutsche Rad-Quartett seit 1996 an die Spitze – und ist nur acht Sekunden vom Gesamtsieg entfernt.
Vingegaards maschine läuft heiß, lipowitz hält kühle
4.000 Höhenmeter in 158 Kilometern, Steigungen bis 20 %, ein Feld, das sich am Coll de Pradell in Einzelteile zerfetzt: Der Tag war gebaut für den Dänen. Zwei Kilometer vor dem Ziel zog Jonas Vingegaard erneut den Stecker, doch diesmal klebte ihm ein rotes Trikot an den Speichen – Lipowitz ließ sich nicht abschütteln. Der Deutsche kam mit zehn Sekunden Rückstand ins Ziel, sicherte sich Rang drei und damit die beste deutsche Platzierung seit Udo Bölts 1993.
Hinten rutschte Felix Gall aus dem Sattel der Favoriten: Der Österreicher verlor über zwei Minuten und rauschte auf Platz sieben. Dadurch rückt Lipowitz auf Gesamtrang drei, nur acht Sekunden hinter Spitzenreiter Vingegaard und dem neuen Zweiten Lenny Martinez.

Evenepoel wird wasserträger – und lipowitz’ joker
Was sonst Seltenheitswert hat, wurde zur taktischen Meisterlektion: Weltmeister Remco Evenepoel verwandelte sich in einen domestique. Der Belgier zündete 30 Kilometer vor dem Ziel die Turbo-Stufe, zog die Verfolgergruppe an und schleuderte Lipowitz auf Visma-Rad. „Er hat einen tollen Job gemacht“, sagt Lipowitz, der selbst kaum glaubt, dass er dem Superstar Dank schuldet statt um Hilfe zu betteln.
Das Teamspiel funktionierte bis auf den letzten Meter. Als Vingegaard das Tempo erhöhte, konnte nur noch Martinez folgen. Lipowitz verharrte im Hinterhalt, spurtete sich frei und sprintete sich in die Geschichtsbücher – vorläufig.

Barcelona wird zur schachpartie auf asphalt
Am Sonntag entscheidet sich alles auf einem 95-Kilometer-Kriterium durch die katalanische Hauptstadt. Sieben Rundungen auf den Montjuïc – dieselbe Rampe, die die Tour de France im Juli fordert – versprechen ein offenes Finale. Lipowitz’ Vorteil: Er kennt die Pflastersteine aus dem Training, seine Bora-Hansgrohe-Kollegen verfügen über Sprinttickets für mögliche Zeitbonifikationen. Sein Nachteil: Vingegaard hat seit 2022 keine Gesamtrundfahrt mehr verloren.
Sollte Lipowitz die Lücke halten oder sogar angreifen, würde er als erster Deutscher seit der ersten Austragung 1911 die Podeststufe in Katalonien betreten. Die Statistik spricht gegen ihn. Das Tempo, das er in die Berge trägt, spricht dafür.
Die Uhr tickt. Barcelona wartet. Und ein Land, das seine Radhelden seit Jan Ullrich vermisst, hält den Atem an.
