Lipowitz lässt evenepoel stehen: bora-thronfolge vor der tour schon entschieden?
Die Katalonien-Rundfahrt war nur ein Vorgeschmack, aber er reicht. Florian Lipowitz fuhr Remco Evenepoel auf der brutalen fünften Etappe in die Querstraße, landete auf dem Podest, während der Belgier zum Helfer degradiert wurde. Für die Tour de France bedeutet das: Die Kapitänsfrage ist längst keine mehr.

Rangordnung auf asphalt geschrieben
Am Coll de la Creueta, 1 500 Höhenmeter am Stück, attackierte Lipowitz 51 Kilometer vor dem Ziel. Evenepoel antwortete nicht, er verharrte in der zweiten Gruppe, schob später Wind für den Deutschen. Ralph Denks angekündigte „interne Lösung“ wurde zur Farce: Das Rad selbst hat gewählt. Lipowitz ist schneller, stabiler, weniger launisch. Evenepoel mag zweimal Olympiasieger sein, doch auf den langen Rampen, wo Tours gedreht werden, zählt nur das Tempo des Moments.
Die Folge: Bora schickt Evenepoel nun ins klassische Gelände. Flandern-Rundfahrt, Kopfsteinpflaster, Wind, Regen – ein Rennen, das ihm früher wie ein vergessener Traum schien. „Die Verbindung zwischen Remco und Flandern ist tief und emotional“, sagt Denk. Übersetzt: Hier kann er sich beweisen, ohne die Tour-Equipe zu spalten. Lipowitz hingegen reist ins Baskenland, um seine Bergform zu konservieren. Wer jetzt noch von Doppelspitze spricht, versteht die Sprache der Leistung nicht.
Die Zahlen sind gnadenlos: Lipowitz verlor in Katalonien nur 18 Sekunden an Vingegaard, Evenepoel bereits nach drei Tagen über drei Minuten. Der Belgier schimpfte mit Kameraleuten, warf nach dem Rennanalyse-Tablet beiseite. Lipowitz lächelte, sagte: „Ich fahre, was mir die Beine sagen.“ Die sagten: Du bist der Erste.
Die Tour rückt näher, und mit ihr die Erkenntnis: Evenepoels Stern ist gedimmt, solange es nach oben geht. Lipowitz hingegen trägt bereits das Gelbe im Blick – und das ohne großes Wort. Das Rad hat entschieden, der Rest ist PR.
