Lions mbc zittern nicht: topals underdog-truppe jagt hannover-sensation

Platz sechs reicht Timur Topal. Nicht, weil er kleine Brötchen bäckt, sondern weil er weiß, dass der Syntainics MBC in der Best-of-Three-Serie gegen Hannover kein Füllmaterial ist. „Wir haben vor drei Wochen dort 92:83 gewonnen – mit der besten Offensive der Saison“, sagt der 38-Jährige und lässt die Zahl kurz wirken. 92 Punkte gegen die Luchse. Das ist keine Fußnote, das ist ein Signal.

Warum der außenseiter hannover schon zittert

Die Statistik lügt nicht: Hannover beendete die Hauptrunde auf Rang drei, Lashae Dwaire ist mit 417 Punkten Topscorerin der Liga, und Olympiasiegerin Marie Reichert wirft von der Dreierlinie mit 3x3-Erfahrung ein. Trotzdem schlummert in jedem Spielplan-Buffet eine Magenverstimmung. Der MBC erlebte sie selbst: Saisonstart, sieben Spiele, ein Sieg. Dann drehte Topal an sechs Rädern gleichzeitig, stellte um, trieb an, schrie – und die Lions wuchsen. Seit der Rückrunde verlieren sie nur noch gegen Keltern und das mit Resthoffnung.

Topal spricht nicht von Pokalträumen, er spricht von Details. „Kleinigkeiten entscheiden Playoffs“, sagt er und meint damit nicht nur Defense-Rotationen. Er meint den Geruch im Bus, die Musik in der Kabine, die Stille vor dem Sprungball. „Wenn wir unsere Intensität mitbringen, wird Hannover laufen müssen.“

Vertrag? erst der knockout, dann die kaffeepause

Vertrag? erst der knockout, dann die kaffeepause

Sein Arbeitsvertrag läuft im Sommer aus. Kein Drama, kein Tamtam. Topal verhandelt nicht über Zeitungszitate. „Ich habe hier Rückendeckung bekommen und Raum zur Entwicklung“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der schon weiß, dass er bleibt. Die Entscheidung fällt „in den kommenden Tagen“, verrät er. Vielleicht schon nach Spiel zwei. Oder drei. Oder nach dem Halbfinale. Denn der Plan ist klar: „Wir wollen wieder um Medaillen spielen.“

Mit Katelyn Shumate an der Seitenlinie und einem Kader, der im Schnitt 23 Jahre alt ist, könnte der MBC zur gefährlichsten Frischluft der Post-Season werden. Hannover hat Heimrecht, den Favoritenstatus und den Druck. Halle hat nichts zu verlieren – außer vielleicht die Angst.

Am Mittwoch um 19.30 Uhr springt der Ball in der Inselparkhalle. Dann zeigt sich, ob Topals Zahlenwirrwarr reicht oder ob Dwaire die 418 vollmacht. Eines ist sicher: Wer jetzt auf Zahlen wetet, verpasst die Geschichte. Und die beginnt mit einem Underdog, der nicht mehr bellt – sondern beißt.