Lindvik stiehlt prevc die show: norweger siegt in planica mit 5,6 punkten vorsprung
Die 26.000 Zuschauer in Planica wollten ein Fest für Domen Prevc, doch Marius Lindvik hatte andere Pläne. Der Norweger flog 231 Meter weit, schob sich mit 459,5 Punkten an der Slowenen vorbei und schnappte sich beim Weltcup-Finale den Sieg – erst vier Wochen, nachdem er in Sapporo noch hinter Prevc gelandet war.
Prevc selbst hatte vor dem letzten Durchgang alles im Griff. 240 Meter in Runde eins, längster Sprung des Tages, die Tribüne tobte. Doch im zweiten Satz blieb er bei 229,5 Metern hängen. Die 453,9 Punkte reichten nur für Rang zwei – und die verspielte Chance, mit dem 15. Saisonerfolg den Rekord seines Bruders Peter aus dem Jahr 2016 einzustellen.
Lindvik nutzt die wartezeit als waffe
„Ich habe die Zwangspause genutzt, um noch einmal tief durchzuatmen“, sagte der 27-Jährige, der wegen Windzögen lange in der Startkabine sitzen musste. „Dann einfach abgehoben.“ Der zweite Flug war nicht nur länger, sondern auch eleganter: 231 Meter, perfekte Körperspannung, 5,6 Punkte Vorsprung – das reichte für seinen ersten Weltcup-Sieg seit dem Olympiasieg 2022 auf der Großschanze.
Die Saison war für Lindvik bis dahin ein einziger Stolperstart. Platz sieben in Wisła, Ausscheiden in Titisee-Neustadt, Null-Punkte in Zakopane. „Ich habe im Frühjahr umgestellt, die Bindung zwei Zentimeter nach vorne geschoben, die Flügel geändert“, erklärt er. „Heute hat endlich wieder alles gepasst.“
Prevc nimmt die Niederlage mit einem Lächeln. Er trägt trotzdem zwei weitere Trophäen nach Hause: den Kristall-Flug für die Gesamtwertung und die „Planica 7“-Krone für die besten Gesamtleistungen über alle Wochenend-Springen. „Marius war heute einfach besser, das muss man anerkennen“, sagt der Slowene. „Aber ich nehme 14 Siege und zwei Kristallkugeln mit – mehr geht nicht.“

Stoch und fettner verabschieden sich mit tränen
Die eigentlichen Hauptdarsteller des Tages standen nicht auf dem Podest. Kamil Stoch, 36, dreifacher Olympiasieger, beendet nach 18 Jahren seine Karriere. Er landete auf Rang 17, umarmte nach dem letzten Spruch seine Kinder, die auf der Rampe warteten. „Ich habe keine Tränen mehr“, sagt der Pole. „Die habe ich in Oberstdorf schon verweint.“
Manuel Fettner, 37, ging als Vierter ins Rennen, wurde Letzter, erhielt trotzdem Standing Ovations. Der Steirer warf sich die Skistöcke über die Schulter, verbeugte sich tief. „Ich wollte noch einmal 220 Meter springen, aber der Wind war nicht mein Freund“, sagt er. „Trotzdem: Ein Abschluss mit 26.000 Leuten, die dich feiern – besser kann man nicht aufhören.“
Für Lindvik bleibt die Erkenntnis, dass auch ein verpatzter Winter ein glanzvolles Finale haben kann. „Ich fliege jetzt nach Hause, packe die Ski ein und fahre zum Sommertraining nach Loen“, sagt er. „In vier Monaten geht’s wieder los – und dann will ich da oben bleiben.“
