Lindvik schlägt prevc-show: horngachers letztes flugfeuerwerk endet ohne deutsches podest

Marius Lindvik war der letzte Mann, der in diesem Winter die Arena Planica zum Toben brachte. Mit 238,5 und 231 Metern katapultierte sich der Norweger am Sonntag zum Saison-Ausklang der Flieger und verpasste Domen Prevc die Heim-Show. Der Slowene holte sich zwar die kleine Kristallkugel im Skiflug-Weltcup, musste aber die Tagessieg-Trophäe an Lindvik überreichen.

Deutschland? Nur Karl Geiger landete in den Top Ten – Platz acht, 18 Punkte hinter dem glücklichen Sieger. Andreas Wellinger schaffte es trotz fünf mal 20-Punkte-Note im ersten Sprung nur auf Rang elf. Die große Bühne blieb wie schon im gesamten Winter deutschem Sprungkunst verweigert.

Horngachers abschied ohne kracher

Stefan Horngacher stand hinter der Absperrung, die Hände in den Taschen seines DSV-Pullovers. Sieben Jahre lang hat der Österreicher die deutsche Flugabteilung geprägt, Philipp Raimund zur olympischen Gold-Sensation formt, Felix Hoffmann zur Top-Ten- Konstanten gemacht. Nun endet seine Ära mit einem Achten und einem Elften – Zahlen, die kaum jemand für erinnerungswürdig halten wird.

Die Statistik ist gnadenlos: In 35 Flug-Weltcup-Siegen seit Horngachers Amtsantritt 2019 fielen gerade mal zwei deutsche Sprünge auf Rang eins – zuletzt 2022. Seitdem: Trockenheit. Der Bundestrainer selbst erklärte nach dem Wettkampf kein einziges Mal die Niederlage, er schüttelte nur den Kopf und sagte: „Die Jungs haben alles gegeben.“

Geiger zeigte sich dennoch erleichtert. „Wir wollten Stefan ein Gesicht geben, und das haben wir geschafft“, meinte er mit Blick auf die 227,5 m im Enddurchgang. „Aber wir wissen alle: Für Podest reicht’s momentan nicht, wenn nicht alles perfekt sitzt.“

Prevcs historische saison trotz niederlage

Prevcs historische saison trotz niederlage

Während die Deutschen um Sekundenbruchteile rangierten, lieferte Domen Prevc ein Lehrstück in Souveränität ab. Der Slowene gewann Olympia, die Vierschanzentournee, die Skiflug-WM und nun den Gesamtweltcup – ein Quartet, das zuletzt Matti Nykänen 1988 gelang. Dass er den letzten Tag nicht gewann, störte ihn kaum. „Die Saison war der Hammer, heute war nur der Nachtisch“, sagte Prevc und schob die Kristallkugel demonstrativ in die Kamera.

Der 22-Jährige bestätigt damit die These vieler Experten: Skifliegen ist jüngst zu einer Disziplin der Extremsportler geworden, bei der nur noch Athleten mit maximaler Startgeschwindigkeit und perfekter Aerodynamik mithalten können. Deutsche Athleten fehlen in dieser Schublade seit Jahren.

Stoch und fettner nehmen abschied – und ein rekord bleibt

Stoch und fettner nehmen abschied – und ein rekord bleibt

Neben Horngacher verabschiedeten sich zwei weitere Größen. Kamil Stoch, dreimal Olympiasieger, absolvierte seinen letzten Wettkampfsprung und wurde von 20 000 polnischen Fans im Planica-Tal gefeiert. Manuel Fettner beendete nach 25 Jahren Weltcup-Laufbahn seine Karriere – mit Peking-Gold im Team und Silber im Einzel.

Ein Rekord bleibt: Erstmals schafften es drei Springer an einem Tag, fünf mal die Höchstnote 20 zu kassieren – Wellinger, Lindvik und Daniel Tschofenig. Die Richter zeigten sich gnädig, doch die Zahlen täuschen nicht: Die deutsche Mannschaft verpasste den Anschluss an die Weltspitze.

Wer Horngachers Nachfolge antritt, ist offen. Die Frist für eine Entscheidung verstrickte sich im Machtgefüge des Deutschen Skiverbandes. Sportdirektor Horst Hüttel kündigte „Gespräche in der entscheidenden Phase“ an – mehr nicht.

Der Winter endet mit einem Paukenschlag in Slowenien, doch für die deutschen Flieger klingt er eher wie ein Flüstern. Ohne klare Führung, ohne Podest, ohne Zukunftsplan. Die Saison 2026/27 beginnt in sieben Monaten – und sie wird gnadenlos sein.