Lichtlein setzt sich selbst raus: em-held fehlt gegen ägypten – und das ist seine entscheidung
Die Nummer zehn fehlt, und das ist kein Versehen. Nils Lichtlein, Deutschlands Aufba-Dirigent von der EM-Silbermission, bleibt außen vor beim Doppelpack gegen Ägypten – weil er selbst die Reißleine zog. Sein Fuß schreit seit Januar, und der 23-Jährige hört hin.

Der fußballer unter den handballern spielt nicht mit – warum?
Donnerstag, 19. März, Wetzlar – eigentlich müsste Lichtlein jetzt die Anspielstation sein, stattdessen sitzt er in der Halle am Fernseher. »Weil ich seit der EM anhaltende Probleme mit dem Fuß habe, habe ich den aktuellen Lehrgang abgesagt«, sagt er zu handball-world. Kein Streit mit Bundestrainer Alfred Gislason, kein Formtief – nur ein Körper, der Pause will.
Die Zahlen lügen nicht: sieben Tore, sechs Assists gegen Erlangen, 45:29-Sieg – das war am Sonntag. Drei Tage später die Absage. Lichtlein lieferte bis zuletzt, aber jedes Mal, wenn er aufsetzte, schmerzte die Ferse. »Ich bin mit der Verletzung in die EM gegangen«, gibt er offen zu. Silber holen, durchbeißen, abstrampeln – das ging eine Zeit lang. Nun folgt die Rechnung.
Gislason verzichtet auch auf Andreas Wolff, doch dessen Ausfall war erwartet. Lichtleins Solo-Comeback-Aussetzer dagegen überrascht, weil er die Maske des Unverletzbaren trägt. In der Liga wirkt er wie ein Box-to-Box-Mittelfeldspieler: immer verfügbar, immer in Bewegung. Genau diese Allianz aus Einsatzfreude und Schmerzverdrängung bröckelt gerade.
Für den DHB heißt das: Ohne seinen variabelsten Spielgestalter testen sie gegen Ägypten neue Optionen. Julius Kühn und Luca Witzke werden stärker in der Mitte geführt, die Rotation wird kürzer. Die Verantwortlichen wissen: Ein Halbfinale in Qatar oder Paris ohne Lichtlein ist denkbar, aber nicht planbar.
Der Spielmacher selbst bleibt gelassen. »Ich will langfristig voll da sein, nicht nur irgendwie«, erklärt er. Die Aussage klingt wie ein Seitenhieb auf jene Profis, die sich bis zur Kapitulation quälen. Lichtlein zieht den Stecker, bevor der Körper ihn zieht – ein Luxus, den er sich selbst gönnt, und der Verband akzeptiert.
Am Sonntag steht das zweite Testspiel an. Wer dort die rechte Mittelfeld-Position besetzt, ist offiziell noch offen. Inoffiziell wartet ganz Handball-Deutschland auf den Tag, an dem Lichtlein wieder mit dem Fuß durchstartet – statt ihn zu schonen.
