Liberty media zieht frauen und kids an – die kasse der formel 1 klingelt lauter als je zuvor
Die 77. Saison der Formel 1 beginnt, und die Bilanz fällt schon vor dem ersten Start weg wie ein Schummelkurven-Sieg: Rekordzuschauer, Rekordeinnahmen, Rekordbeteiligung von Zuschauerinnen unter 30. Liberty Media hat das Rennen nicht nur neu vermarktet – es hat ein neues Publikum erfunden.

Netflix, nashville und neue zielgruppen
Seit 2017 steuert der US-Medienkonzern den Kurs. Er setzte nicht auf klassische TV-Deals, sondern auf Social-Media-Clips, TikTok-Challenges und die Dokuserie „Drive to Survive“. Die Zahlen sprechen für sich: In den USA stieg die TV-Quote seit 2018 um 73 Prozent. Bei Frauen zwischen 18 und 34 verdoppelte sich die Einschaltsumme. Die Folge: Sponsoren, die früher Fußball oder Basketball bedienten, stehen jetzt Schlange bei Formula One Management. Der Preis für ein Sekundenlogo am Halo? Laut Insidern 6 Millionen Dollar pro Saison – vor fünf Jahren war das Segment noch verschenkt worden.
Die Teams profitieren direkt. Liberty Media verteilt 2024 rund 1,2 Milliarden Dollar an die zehn Ställe – ein Plus von 38 Prozent gegenüber 2021. Ferrari, Red Bull und Mercedes erhalten laut Geschäftsbericht je über 140 Millionen, kleinere Teams wie Williams trotzdem mehr als je zuvor. Der Trick: 50 Prozent des operativen Gewinns fließen in die sogenannte Team-Prize-Pool, ein Modell, das die Konkurrenz auf der Strecke erhält und gleichzeitig die Gehaltsgrenze unten hält.
Doch die Expansion hat einen Preis. Liberty Media verlangt von den Veranstaltern höhere Promoter-Gebühren. Miami zahlt laut Branchenmagazin 25 Millionen Dollar Startprämie pro Jahr, Las Vegas sogar 30. Wer nachrechnet, erkennt: Die neue Zielgruppe ist jung, weiblich – und kauft Tickets für durchschnittlich 680 Dollar pro Wochenende. Die Gäste früherer Jahre, Traditionsfans mit Dauerkarte, bleiben daheim oder schalten ab.
Stefano Domenicali, CEO der F1, beschwichtigt: „Wir wachsen, aber wir verlieren nicht unsere Seele.“ Ein Blick auf die Startaufstellung lässt Zweifel zu. Drei Rennen in den USA, keines mehr in Deutschland. Große Marken wie BMW und Audi steigen als Motorenlieferant ein – doch sie kommen wegen der US-Strategie, nicht wegen der europäischen Historie.
Die Bilanz nach sieben Jahren Liberty bleibt dennoch glasklar: Die Formel 1 ist profitabler geworden, indem sie sich selbst neu erfand. Früher galten Sportwagenfans als Männer mittleren Alters mit Brillengestell. Heute sitzen in den VIP-Lounges Influencerinnen, die vorher nicht einmal wussten, was ein Boxenstopp ist. Die Frage ist nicht mehr, ob der Boom anhält. Die Frage ist nur, wann er das nächste Allzeithoch übertrifft.
