Leverkusen reist als jäger nach london – arsenal spielt die pokale weg

London brennt. Arsenal muss, Leverkusen darf. Und genau das macht das Achtelfinale zur Falle. Bayer 04 flog am Montag mit 23 Koffern und einem Grinsen Richtung Emirates – kein Sensationsthema, sagt Sportchef Simon Rolfes, „erst rennen, dann reden“. Die Rechnung: Gunners unter Zugzwang, Werkself entlastet. Zweimal 1:1 in den letzten 180 Minuten gegen Bayern und Arsenal beweisen: Diese Truppe hält Tempo und Nerv.

Terrier bangte, jetzt joggt er wieder

Martin Terrier war nach Nicolas Jacksons Tritt gegen Chelsea kurz weg, am Samstagaball schon wieder auf dem Rasen. Sein Sprintwert von 34,2 km/h im Hinspiel ist Bayers gefährlichste Waffe im Transitionsspiel. Neben ihm rotieren vermutlich Grimaldo, Palacios und Maza zurück – ein Zeichen, wie ernst Xabi Alonso das „Finale“ nimmt. Die 5-4-1-Block-Kette funktionierte in BayArena, sie wird auch im Nordlondoner Nebel stehen. Arsenal erzielt 63 % seiner Tore aus dem Zentrum, Leverkusen erlaubt dort nur 0,18 xG pro Spiel – Zahlen, die sich wie zwei Magnets gleichen Pols begegnen.

Druck? Liegt laut Rolfes „auf den Schultern der 120-Millionen-Elf“. Fakt ist: Artetas Mannschaft schoss in den letzten vier CL-K.o.-Heimspielen nur vier Tore, drei davon per Elfmeter. Die BBC-Statistik liefert den Satz, den Bayer in der Kabine ausdruckt: „Arsenal hat in K.o.-Spielen das Tor verlernt.“

Champions-league-geld oder saison-flop

Champions-league-geld oder saison-flop

Geht die Reise weiter, rückt nicht nur das Viertelfinale in Reichweite, sondern auch Platz vier in der Bundesliga. Fünf Punkte Rückstand auf Stuttgart, sieben Spiele, kein Pokal mehr – die Simple-Math lautet: gewinnen oder umschulden. Die CL-Prämie von 15 Millionen Euro würde die Ausfälle von Schick, Adli und Frimpong kompensieren. Verliert Bayer, droht erstmals seit 2021 ein Frühjahr ohne internationale Bühne. „Wir sind der Jäger“, wiederholt Rolfes wie einen Mantra, und tatsächlich: In der Rückrunde holte Leverkusen mehr Punkte als Arsenal – nur hat niemand außerhalb des Rheinlands das gemerkt.

Leon Bailey ist in London noch immer Liebling, aber der Jamaikaner sitzt diesmal auf der Gegenseite. Sein Ersatz heißt Amine Adli, der in 67 Minuten gegen Bayern vier Ballgewinne und zwei Schlüsselpässe verbuchte. Kleinere Zahlen, große Wirkung. Alonso wird ihn wieder als zweite Spitze neben Terrier laufen lassen, um Xhakas Aufbau zu stören. Ein einzeter Ballverlust im Mittelkreis kann zu einem Konter mit vier Leverkusenern führen – so fiel das 1:0 in der BayArena.

Der plan: erst arsenal, dann die eigene unzulänglichkeit

Der plan: erst arsenal, dann die eigene unzulänglichkeit

Ab 21 Uhr britische Zeit zählt nicht mehr Tiki-Taka, sondern Tackling-Quote. Bayer gewann 56 % der Zweikämpfe gegen Bayern, beste Saison-Bilanz. Das zentrale Mittelfeld-Dreieck Palacios-Andrich-Kampl verschob in der Liga bereits 1.214 Ballgewinne – mehr als jede andere Kombination Europas. Gegen Martinelli und Saka wird diese Sechszack-Sichel erneut aufgespannt. Der Brasilianer verliert im Schnitt alle 67 Minuten den Ball, Saka alle 71 – Leverkusen trainierte gezielt die Balleroberung in diesen Sekundenbruchteilen.

Eliesse Ben Seghir läuft mit, aber nur auf der Tribüne. Der 19-Jährige ist der Joker für die Verlängerung, falls Arsenal in panic mode rast. Rolfes sieht ihn als „frische Beine gegen münde Beine“. Torhüter Flekken ist zurück, Hradecky aber bleibt – ein Luxusproblem, das den Klassenunterschied in der Tiefe unterstreicht.

Leverkusen hat nichts zu verlieren außer einer Saison. Arsenal hat alles zu verlieren außer der eigenen Geschichte. Das ist keine Sensation, das ist Logik. Wenn Bayer das 1:1 über die Bühne bringt, schreibt London eine neue Geschichte – und Rolfes beantwortet die Frage nach der Sensation mit einem Satz, der ins Vereinsmuseum gehört: „Wir haben sie schon längst geplant.“