Lerch blickt nach wolfsburger beben: pokalglanz statt trauer
Stephan Lerch schaut kurz weg, als würde er die Meldungen noch einmal Revue passieren lassen: Ralf Kellermann geht, Peter Christiansen musste gehen, die Männer rutschen Richtung Zweite Liga. „Wir sind alles Menschen“, sagt der Frauen-Trainer des VfL Wolfsburg und wischt mit dem Fußballschuh über den Kunstrasen. „Solche Nachrichten machen schon was mit einem.“
Kellermanns abschied schlägt wellen bis in die kabine
Die Entscheidung, dass Ralf Kellermann, der Mann, der den Frauen-VfL zur europäischen Macht formte, die Lizenzspielerabteilung verlässt, habe sich „nicht einfach so weggesteckt“, erzählen Spielerinnen im Seitenkasten. Lena Oberdorf habe sogar gefragt, ob denn „alles an Bord festgeschraubt“ sei. Lerch nickt nur: „Wir wollen den Kurs halten, den Ralf vorgegeben hat.“ Der 41-Jährige spricht von einem „gemeinsamen Traum“, der nun „ohne den Architekten“ weitergetragen werden muss.
Intern herrscht trotzdem kein Selbstmitleid. Stattdessen flattert ein handgeschriebenes Zettelchen durch die Kabine: „Noch drei Siege – Titel in der Hand.“ Der Pokal-Wanderpokal steht symbolisch im Trainingszentrum, als Mahnung und Versprechen zugleich. Die Spielerinnen lachen, als ihnen klar wird, dass genau das die einzige Variable ist, die sie kontrollieren können.

Männer-krise bleibt nebengeräusch vor frankfurt-schlacht
Um 18:30 Uhr geht’s in Frankfurt los, und der VfL-Frauenbus rollt mit Sonderrechte durch die Autobahn-Sperrung. Dort wartet eine Eintracht, die sich mit dem Rücken gegen die Wand stellt. „Brutal schwer“, sagt Lerch, aber auch „extrem verlockend“. Die Erinnerung an das Vorjahres-Aus gegen den späteren Finalisten Bayern brennt noch. „Wir wollen nicht wieder nur Zuschauer sein beim Endspiel in Köln.“
Zur gleichen Zeit schauen einige Spielerinnen auf das Handy: Die Männer liegen 0:1 in Bochum. Keine fünf Sekunden später steckt das Mobiltelefon wieder weg. „Wir drücken die Daumen, klar“, sagt Svenja Huth, „aber wir können’s nicht richten.“ Die Tabelle der Männer ist ein Horror-Bild, Platz 17, drei Punkte Rückstand auf die Rettung. Doch im Frauen-Quartier zählt nur die eigene Tordifferenz.

Lerchs fazit: träume statt tränen
Kurz vor dem Aufwärmen packt Lerch einen schwarzen Zettel aus der Tasche. Darauf steht: „Kopf hoch – Ball runter.“ Keine Phrasen, keine Tränen. Er wirft den Zettel in den Müll, grinst: „Den brauchen wir nicht mehr.“ Dann donnert die Anspielmusik, die Frauen laufen in die Hölle von Frankfurt – und wissen: Wer jetzt noch an Bochum oder Kellermann denkt, verliert automatisch. Die Welt im VfL dreht sich weiter, nur ohne Jammern. Der Pokal wartet, drei Spiele entfernt. Die Zeit der Trauer ist vorbei.
