Leipzig zittert, gummersbach kommt – günthers letzter strohhalm heißt b wie bodenständig
13 Heimspiele, ein einziger Sieg – der SC DHfK Leipzig hat sich in der Handball-Bundesliga festgekrallt, wo niemand landen will: auf dem letzten Platz. Jetzt rollt mit dem VfL Gummersbach am Donnerstag (19 Uhr) der Aufsteiger an, der in der Rückrunde noch keinen einzigen Punkt abgegeben hat. Für die Sachsen ist das keine Partie, es ist eine Letzte Chance.
Karsten günthers social-media-seelenstriptease
Geschäftsführer Karsten Günther kennt die Dramatik. Statt Betriebsblabla lieferte er auf Instagram einen Selbstversuch in zwei Akten. Option A: „Wir akzeptieren, dass es nicht klappt, bleiben zu Hause, schieben Frust und lassen die Saison auslaufen.“ Option B: „Wir ärgern uns heute, vielleicht auch noch morgen, schreien die Wand an und greifen danach wieder neu an – mit allem, was wir haben. Alle gemeinsam!“ Er wählte B, klar. Doch die Worte wirken wie ein letzter Rettungsring, den er selbst ausschmeißt.
Die Fans reagierten mit 300 Kommentaren binnen Minuten. Keine Hashtags, kein Emoji-Dauerfeuer – nur pure Anspannung. Denn sie wissen: Zwei Punkte trennen Leipzig vom Relegationsplatz, vier vom sicheren Ufer. Und sie wissen auch: Gummersbach reist mit sieben Siegen im Gepäck an, erlaubt sich gerade mal 24 Gegentore pro Partie. Die Zahlen schmecken nach Kälte.

Warum die halle am donnerstag zur gluthöhle werden muss
Die Leipziger haben in dieser Saison schon gegen jede Logik verstoßen – leider nach unten. Die Abwehr wackelt, der Kreisläufer krankt, und selbst die sonst so laute Nordkurve verstummt in den Schlussminuten. Gegen Gummersbach braucht es mehr als ein Facebook-Forum. Es braucht eine Arena, die sich dreht. 4.000 Stimmen, die den Ballon versenken, bevor er das Tor trifft. Es braucht das 6:0-Heulen, das die Gäste aus der Ruhe bringt.
Trainer André Haber muss seine Startformation überdenken. Linksaußen Häfner läuft auf 48 Prozent Trefferquote, aber nur, wenn er vorher Ballkontakt bekommt. Rechts die Jugend – talentiert, aber noch grün hinter den Ohren. Die Mitte? Ein Pulverfass. Wenn Gummersbachs Rückraum-Duo Kretzschmar und Drux ihre Tempogegenstöße starten, hat Leipzig 20 Sekunden, um sich neu zu sortieren. 20 Sekunden zwischen Zweifel und Doch.
Am Ende bleibt die Einsicht: Günther kann so viele Posts schreiben wie er will. Entscheidend ist, was zwischen 19 und 20.45 Uhr auf dem Parkett passiert. Die Saison ist kein Instagram-Story, sie ist ein Handball-Krimi. Und der letzte Akt steht bevor. Falls es wieder nur ein Heimspiel ohne Sieg wird, ist die 2. Liga kein Schrecken mehr – sie ist Realität.
