Leipzig steckt im freien fall – nur ein sieg gegen eisenach zählt noch
6000 Fans, eine Halle am Rande der Nervenklinik und ein Kapitän, der vom „Messer zwischen den Zähnen“ spricht: Beim SC DHfK ist der Abstieg längst keine Drohung mehr, sondern schon Alltag. Tabellenletzter, 1:11 Punkte aus zwölf Heimspielen – die Zahlen sind so hart wie die Realität. Jetzt kommt der ThSV Eisenach, der Leipziger Angstgegner. Elf Pflichtspiele in der Bundesliga, null Siege. Ein Punkt. Mehr nicht.
Die leichenschau vor dem ost-duell
Frank Carstens schaut nicht auf die Tabelle, er spürt sie. „Diese Spiele sind kein Kindergeburtstag, sondern Schlägerei auf Augenhöhe“, sagt der Trainer. Er weiß: Eisenach mag auf fremem Parkett noch ohne Punkt sein, aber die Thüringer haben den DHfK schon oft genug in die Knie gezwungen. Die letzte Niederlage in der Arena war kein Ausrutscher, sondern eine Tradition. Binder erinnert sich an „Schlachten“, nicht an Spiele. Das sagt alles.
Der BHC-Sieg in Hamburg verschärft die Lage. Mit jedem Erfolg eines Konkurrenten schrumpft der Spielraum. Leipzig muss jetzt dreimal hintereinhenden gewinnen, nur um wieder Anschluss zu haben. Carstens redet nicht mehr vom „Druck“, sondern vom „Kampf ums pure Überleben“. Seine Bank ist dünn, seine Kreisläufer laufen mit Tape statt mit Selbstvertrauen auf.

Die letzte hoffnung heißt heimvorteil – oder selbsttäuschung
Die Statistik lügt nicht: Zwölf Auswärtsniederlagen Eisenach. Klingt wie ein Geschenk. Doch die DHfK-Heimbilanz ist noch armseliger. Ein Sieg. Gegen Balingen. Im September. Seitdem nur noch Niederlagen und das Gefühl, im eigenen Wohnzimmer fremd zu sein. Carstens probiert alles: lautes Spiel auf der Trainingsplatte, geschlossene Kabine, sogar eine Kampfansage an die eigene Fankurve. „Wir brauchen kein Pauken, wir brauchen Nägel mit Köpfen.“
Lukas Binder wirkt wie ein Mann, der schon zu viel erklärt hat. „Wenn du spürst, dass es nur noch wenige Spiele sind, verändert sich alles“, sagt er. Die Atemlosigkeit. Die Schärfe. Die Angst, nächste Saison in der 2. Liga auftreten zu müssen. „Der Druck kann auch gute Sachen hervorbringen“, sagt er. Das klingt nach Selbsttherapie. Fakt ist: Ohne Punkte am Sonntag wird der Abstieg keine Drohung mehr, sondern Beschluss.
15 Uhr, Dyn und Welt TV, 6000 Zuschauer. Dann entscheidet sich, ob Leipzig noch eine Sportgeschichte schreibt – oder nur noch eine Fußnote bleibt. Die Uhr tickt. Die Halle wird kochen. Und Eisenach? Die haben nichts zu verlieren. Das ist das Schlimmste.
