Le court rast in niewiadoma: sanremo-traum endet in massensturz

Die Cipressa fraß ihre Hoffnung. Kim Le Court saß 19 Kilometer vor Sanremo im Windschatten der Favoritinnen, bereit, auf dem Poggio zuzuschlagen. Dann lag Kasia Niewiadoma plötzlich quer auf dem Asphalt, das Gesicht zur Leitplanke gedreht, das Hinterrad noch in der Kurve. Le Court konnte nicht mehr ausweichen. „Ich wollte nicht über ihren Kopf fahren“, sagt sie mit zitternder Stimme. Sekunden später knallten weitere Räder auf sie, ein Knäuel aus Carbon, Haut und Adrenalin.

Ein sturz, zehn betroffene, zwei krankenwagen

Die Zwischenbilanz: zehn Fahrerinnen am Boden, zwei davon mit Bewusstseinslücken. Margaux Vigié und Debora Silvestri rutschten durch die Leitplanke, fielen auf die untere Fahrbahn. Niewiadoma blutete aus einer Platzwunde am Kinn, konnte sich erst nach Minuten aufrichten. Le Court stand auf, strich sich die Schrammen aus dem Gesicht und half der Polin, bevor sie selbst wieder aufs Rad stieg. Platz 99, 7:34 Minuten Rückstand. „Das reicht nicht für das Gelbe Trikot der Träume“, sagt sie trocken.

Die Mauretinierin war 2025 Fünfte gewesen, kennt die engen Schaltungen der Via Roma. Doch diesmal versagte die Geometrie. „Ich fühlte mich bombig, war bereit für den Poggio-Angriff“, erklärt sie. „Stattdessen werde Krankenpfleger.“ Die Ironie: Niewiadoma hatte kurz vor dem Sturz das Tempo erhöht, um die Gruppe zu spalten. Ihr eigene Attacke wurde zur Falle.

Die verletztenliste liest sich wie ein who-is-who des frauenpelotons

Die verletztenliste liest sich wie ein who-is-who des frauenpelotons

Neben Niewiadoma und Vigié meldet Canyon–SRAM zwei weitere Behandlungen: Ramona Bachinger mit Prellungen am Hüftknochen, Hannah Ludwig mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch. AG Insurance–Soudal bestätigt Le Court eine Rippenprellung, schickt sie trotzdem zum Ziel – Imagefrage, Sponsoren, TV-Minuten. „Ich wollte zeigen, dass wir nicht nur fallen, sondern auch wieder aufstehen“, sagt sie.

Die Rennleitung zählte insgesamt 18 Sekunden Auszeit für die Betroffenen, doch die Zeitlimit-Regel greift nicht bei Klassikern. Wer nicht innerhalb des Prozentsatzes ins Ziel kommt, fliegt raus. Le Court schaffte es mit 12 Sekunden Puffer. „Nächstes Jahr bin ich wieder hier. Und dann greife ich auf dem Poggio, ohne dass jemand vor mir liegt.“

Sie spricht, während neben ihr ein Sanitätswagen wegfährt. Die Sirene schneidet sich durch den sonnendurchfluteten Strandort. Sanremo, 18:53 Uhr. Der Traum von der Via Roma ist für diesmal gebrochen, aber die Saison ist lang. Le Court schliesst den Helm, der jetzt zerkratzt ist wie ihre Haut. „Der Asphalt hier schreibt keine Gnade vor. Aber er schreibt auch keine Endgültigkeit.“