Laura pirovano explodiert: 1,21 minuten, ein hundertstel vorsprung – und 29 top-10-platzierungen später endet der fluch

Ein einziges Hundertstel. 0,01 Sekunden zwischen ewiger Nennung als „fast-Podium“ und dem ersten Sieg. Laura Pirovano riss diese winzige Lücke in der Abfahrt von Val di Fasso auf – und brach eine Serie, die seit 2014 andauerte.

Die geduld zahlte sich mit zinsen aus

29 Weltcup-Top-10-Ränge, elf Mal Platz fünf oder besser, zweimal Kreuzband, Meniskus, Monate auf Krücken – und kein einziger Podestplatz. Die 28-jährige Trentinerin stand so oft vor dem Sprung, dass ihre Kolleginnen schon halb jubelten, wenn sie nur in die Top-Three-Warteschlaufe fuhr. „Ich wusste, dass ich schnell bin“, sagt sie, „aber das Skifahren funktioniert nur, wenn Kopf und Beine synchron sind.“

Am Samstag war endlich alles im Takt. 1:21,40 Minuten, 101 km/h Spitze, 29 Meter Flug im Kanalett. Hinter ihr Emma Aicher (+0,01) und Breezy Johnson (+0,30), beide mit Gesichtern, die zwischen Glückwunsch und Ungläubigkeit schwanken. „Ich gewinne um ein Hundertstel – und tut mir leid für Emma“, lacht Pirovano, „doch mir wurde oft das gleiche angetan. Heute darf ich feiern.“

Surfboard, atemstopp und pinsel – das leben neben der piste

Surfboard, atemstopp und pinsel – das leben neben der piste

Was die meisten nicht sehen: Zwischen den Rennen paddelt sie aufs Surfboard, taucht 25 Meter tief auf einem Atemzug und malt Ölbilder in verschneiten Hotelzimmern. „Nur Schnee gibt’s nicht“, postete sie einmal – und meinte damit, dass Adrenalin nicht nur aus weißen Hängen kommt. Das spornt sie an, gibt ihr den Zen-Faktor, den viele Speed-Rennläufer suchen, aber nie finden.

Das Klavier aus Kindertagen half ihr, die langen Reha-Phasen zu überbrücken. „Ich übe Chopin, wenn das Knie brummt“, sagt sie. Die Noten sind ihre Therapie, die Tasten ein Gegenpol zu 120 Stundenkilometern ohne Sicherheitsnetz.

Der nächste schritt ist kein sprung, sondern ein lächeln

Der nächste schritt ist kein sprung, sondern ein lächeln

Die Frau, die manchen „Jet-Woman“ nennen, will den Jet nicht mehr sein. Sie will Konstante werden. Mit 28 Jahren, gerade alt genug, um die Karriere mit Verstand zu planen, und jung genug, um in Cortina 2026 vor heimischem Publikum anzugreifen. „Mein Traum: keine Rückblicke, keine Verklausulierungen, einfach nur raus aus der Tür und wissen, dass ich alles gegeben habe.“

1:21,40 Minuten. Eine Zahl, die künftig in ihrem Lebenslauf steht – und die alle Statistiken über Top-10-Platzierungen endlich in den Schatten stellt. Wer jetzt noch fragt, wie lange Laura Pirovano durchhält, hat die Antwort auf der Uhr gesehen: so lange, bis die Zeit eben doch für sie stehen bleibt.