Francesco coco packt aus: kokain-gerüchte, maldini-vergleich und warum er ancelotti abblies

Sechs Jahre beim AC Milan, vier beim FC Inter, fünf Derbys ohne Sieg – und ein Ruf, der zwischen Drogen-Vorwurf und Weltklasse schwankte. Francesco Coco, 45, hat in einem Interview mit der italienischen Sportwelt die Bilanz seines bewegten Mailänder Lebens gezogen. Das Ergebnis: ein offener Schlag gegen die Medien, gegen ehemalige Klubbosse – und gegen die eigenen Fans.

Derby-trauma: „milanista di merda“ statt jubel

Der Wechsel 2002 vom Barça zum Erzrivalen war kein Transfer, sondern ein Spießrutenlauf. „Die Inter-Ultras sahen mich wie einen zweiten Maldini, nur in schwarz-blau“, erzählt Coco. „Beim ersten Fehler im Meazza hörte ich jedes Schimpfwort. ‚Coco, verpiss dich, du Roter!‘“ Fünf Mal lief er im Derby auf, fünf Mal blieb die Sieg-Seite leer. „Ich habe nicht mal ein Tor aufs Tor gebracht. Das nagt noch heute.“

Die operation, die die karriere zertrümmerte

Die operation, die die karriere zertrümmerte

Was folgte, war medizinisch wie psychologisch ein Fiasko. Eine Bandscheiben-OP im Dezember 2003, eigentlich Routine, endete mit einer Muskelatrophie. „Plötzlich hieß es: Coco zieht Koks. Lustig, wenn man bedenkt, dass ich gerade Vater geworden bin.“ Der damalige Teamarzt habe die Nervenwurzel verletzt, zwei Jahre Pause. „Roberto Carlos sagte damals in Marca, ich sei ‚einer der drei besten Linksverteidiger der Welt‘. Danach konnte ich nicht mal mehr sprinten.“

Warum er ancelotti eine absage erteilte

Warum er ancelotti eine absage erteilte

Die Rückkehr nach Mailand war eigentlich geplant – nur nicht nach Rot-Schwarz. „Carlo rief mich an, wir sprachen zwei Stunden. Aber mit dem Milan war damals alles zerbrochen, sie hatten mich als ‚unverkäuflich‘ gelistet und dann nach Barcelona abgeschoben.“ Also stieg Coco bei Inter ein, obwohl der Klub Clarence Seedorf in dieselbe Aktion einband. „Ein Verteidiger für einen Mittelfeldspieler? Die Leute verglichen uns trotzdem. Ich kannte meinen Marktwert, das war ihre Rechnung.“

Der letzte stopp: qpr, briatore und der „dieb“-vorwurf

Der letzte stopp: qpr, briatore und der „dieb“-vorwurf

Nach dem Kreuzbandriss 2007 beim Livorno klopfte der FC Queens Park Rangers an. Flavio Briatore wartete mit einem Handshake-Vertrag auf. „Keine Trikots, keine Bälle, kein Papier. Nach drei Tagen bin ich heimgeflogen. Später nannte er mich ‚ungezogen‘ und ‚Dieb‘. Jahre später trafen wir uns zufällig in Monaco. Keiner erwähnte es mehr – peinlich für uns beide.“

Coco beendete seine Laufbahn mit 31 Jahren, 13 Länderspielen, einem Confed-Cup-Titel – und dem Gefühl, nie wirklich angekommen zu sein. „Ich war kein Maldini, kein Zanetti. Ich war Francesco Coco: zu schön für manche, zu laut für andere. Aber ich habe Milan, Inter und Barcelona gespielt. Wer das sagt, braucht keine Sieger-Medaille mehr.“